Wie Negativ-Fragen mein Leben positiv beeinflusst haben

Wenn mich früher jemand gefragt hat, wo ich in 5 Jahren stehen möchte, habe ich Antworten gegeben, die möglichst gut zu dem Weg passen, auf dem ich mich zu der Zeit befunden habe. Meine Zukunftspläne sollten danach aussehen, als sei ich gerade fleißig dabei, sie zu verfolgen.

Mein absoluter Albtraum: ziellos sein und planlos wirken. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich keine Herzensvorstellung davon, wie mein Leben 5 oder 7 oder 10 Jahre später aussehen sollte. Die Visionen, die ich für mein Umfeld, aber vor allem für mich selbst kreiert habe, waren selten Ausdruck davon, wo genau ich in der Zukunft stehen wollte, sondern vielmehr davon, wo ich stehen sollte.

Wenn mich heute jemand fragt, wo ich in 5 Jahren stehen möchte, sage ich ganz ehrlich: ich weiß es nicht. Ich kann nicht genau definieren, welcher Arbeit ich in 5 Jahren nachgehen möchte, wo ich morgens aufwachen möchte (da gibt es viel zu viele Orte, die dafür in Frage kämen) und wie mein Leben dann aussehen soll. Es gibt Tage, an denen beneide ich all diejenigen, die genaue Ziele haben und klare Vorstellungen davon, wo sie in X Jahren genau stehen möchten. Aber die meiste Zeit bin ich dankbar dafür, dass ich mich nicht mehr unter Druck setzen muss und mein Leben nicht nach Zielen ausrichte, die mich überhaupt nicht glücklich machen würden. So lapidar dieser Spruch oft benutzt wird, so sehr hat er sich in meinem Leben schon bewahrheitet:

Leben ist das, was passiert, während wir eifrig dabei sind, andere Pläne zu machen.

Ich will mehr im Hier und Jetzt leben, als an einer Vorstellung von meinem Leben in 5 Jahren zu feilen.

Negativ-Fragen haben mich auch auf den Weg gebracht, auf dem ich jetzt gerade bin. Im vergangenen Sommer habe ich gespürt, dass mich mein Vertriebsjob nervt, unglücklich macht und langweilt, obwohl ich die Firma bis heute liebe. Ich habe mich an ein Zitat erinnert, das mir eine gute Freundin vor einiger Zeit mit auf den Weg gegeben hat:

LOVE it, CHANGE it or LEAVE it

Geliebt habe ich meinen Job absolut nicht mehr und leider konnte ich die Aspekte, die mich gestört haben, auch nicht ändern. Es blieb also nur eine Option: to leave. Kündigen. Hinschmeißen. In unseren gelernten und oft so festgefahrenen Gedankenstrukturen tun wir das aber natürlich nur, wenn wir wissen, wie es danach weitergeht. Wenn wir einen neuen Job in Aussicht haben. Also habe ich angefangen, nach Stellen zu suchen und dabei schnell gemerkt: ich weiß nicht, was ich machen will. Ich wusste nur, was ich nicht machen will: weiter in diesem Job bleiben.

Der Moralapostel in meinem Kopf, der mir immer wieder zugeflüstert hat „Du kannst doch nicht kündigen, ohne einen neuen Job zu haben“ musste sich von mir ein lautes FUCK YOU anhören. Als er vor Schreck hinten rüber gefallen ist, habe ich die Gelegenheit genutzt und meine Kündigung geschrieben. Ohne zu wissen, was danach kommt. Nur mit dem Wissen, wie es nicht weitergehen soll:

In einem Job, der mich unglücklich macht

Einen neuen Job anzufangen, auf den ich gar nicht wirklich Lust habe, nur weil man das schließlich so macht

Mein Leben so zu leben, wie die Gesellschaft es nun mal von einem erwartet

Mein Leben auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, denn wer weiß schon, ob der je kommen wird

Nachdem ich dieses Wissen ein paar Tage in mir rumgetragen habe, natürlich nicht ohne Unsicherheit und Angst, die falsche Entscheidung getroffen zu haben, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: das, was ich nicht will, zeigt mir doch als ganz logische Konsequenz auch, was ich will:

Mein Leben jetzt leben

Glücklich sein

Meine Zeit nutzen

Mein Leben so leben, wie ich es will, und nicht, wie man es halt so macht

Das klingt natürlich erst mal ziemlich esoterisch und wenig greifbar, aber nachdem ich Glaubenssätze wie „Ich darf nicht kündigen, ohne einen neuen Job zu haben“ und „Ich sollte jetzt etwas tun, das in meinem Lebenslauf gut aussieht“ mühsam aus meinem Denkprogramm entfernt habe, konnte ich plötzlich ganz klar sehen, was ich will: REISEN. Neue Menschen und Kulturen kennen lernen, Salsa tanzen, Spanisch sprechen. Also Dinge tun, die mich glücklich machen.

Und so habe ich meinen Hinflug nach Kolumbien gebucht – vor ein paar Wochen wusste ich zwar, dass ich im April zurück kommen würde, aber war wirklich absolut planlos, wenn es um die Frage ging, wie es danach weitergeht.

In den vergangenen Wochen habe mich, nachdem ich zufällig auf das Thema gestoßen bin, intensiv mit dem Lifestyle der Digitalen Nomaden auseinander gesetzt, habe die APC II und andere Kongresse aufgesogen wie ein Schwamm und weiß nun: das ist ein Lebensstil, der so 100% zu mir passt, dass ich gar nicht anders kann, als ihn zumindest mal auszuprobieren. Ich bekomme langsam also zumindest eine vage Vorstellung davon, was ich will und wie ich in 5 Jahren leben möchte.

Mein wichtigstes Learning der vergangenen Monate, in denen so viele Umbrüche in meinem Leben stattgefunden haben!? Vertraue dem Leben. Es wird Dir schon den Weg zeigen, den Du gehen sollst. Setz Dich nicht unter Druck. Du kannst nicht wissen, wie Dein Leben in einem oder zehn Jahren aussehen wird. Du kannst aber HIER und JETZT für Dich entscheiden, welche Wege Du nicht mehr gehen willst. Und Entscheidungen treffen, die sich glücklich anfühlen, nicht sinnvoll.

Was antwortest Du auf die Frage, wo du in 5 Jahren stehen möchtest?

10 Kommentare zu „Wie Negativ-Fragen mein Leben positiv beeinflusst haben“

    1. Vielen Dank Charlotte 🙂 ich finde auch – wir leben nur einmal und sollten das nach unseren eigenen Wünschen tun. Aber das wird uns oft nicht leicht gemacht. Schön, wenn ich mit meinem Blog dazu inspirieren kann 🙂

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  1. Hach, es ist echt schön, das zu lesen und auch, das von dir zu lesen 😊
    Der Druck ist der schlimmste von allen – der soziale und der oft daraus entstandene eigene Druck, das kenne ich auch zu gut und ich erwische mich immer noch in Situationen, in denen ich mich für Dinge, die ich tue, rechtfertige. Aber ich arbeite ganz fleißig dran.

    Du hast es genau richtig gemacht, quasi direkt nach der Kündigung in den Flieger zu steigen! Bei mir war zumindest die zweite Hälfte des Jahres doch schwieriger, als gedacht, was aber zum einen nicht außergewöhnlich ist – man muss sich ja ausprobieren – und zum anderen lernt man aus allen noch so kleinen Rückschlägen!

    Ich bin mir sicher, dass du das alles super meisterst! So hab ich dich zumindest kennengelernt. Auch wenn sich sicher einiges in den letzten Jahren verändert hat, im Herzen bist du sicher noch dieselbe!
    Hab eine wundervolle Reise!

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    1. Tausend Dank für die lieben Worte, Christina 🙂
      Ja ich erwische mich auch immer wieder dabei, aber eben, wir arbeiten fleißig und es macht so viel Spaß zu merken, dass nichts Schlimmes passiert, wenn wir uns mal nicht so verhalten, wie „man“ es halt so macht. Das Gefühl nenn ich dann die Riskhappiness 😉 Für Dich auch alles Gute und ich freu mich schon riesig, Dich im Mai auf der DNX zu sehen!

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