Mein erster Reise-Konflikt

2 Tage noch. Nicht mal mehr eine halbe Woche. Dann geht meine Reise los, von Hamburg über Madrid nach Bogotá. Und ich stecke irgendwie im Dilemma.

Als ich die Reise vor ein paar Monaten gebucht habe, sah die Mindmap, die vor meinem inneren Auge dazu in den buntesten Farben geschrieben war, ungefähr so aus:

mindmap

Ziemlich genau so habe ich mir die Reise vorgestellt – und mich wie blöd darauf gefreut.

Vor einigen Wochen bin ich dann auf einen Artikel über das Digitale Nomadenleben gestoßen – und konnte nicht mehr aufhören, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich habe mir Nächte um die Ohren geschlagen, um mich von den Videos der Awesome People Conference inspirieren zu lassen, E-Books zu lesen und den Menschen, die schon als digitale Nomaden unterwegs sind, auf allen möglichen Social Media Kanälen zu folgen. Plötzlich hat irgendetwas in mir gebrannt und ich wusste: „So will ich leben“.

Die Dinge, die ich für meine Reise noch erledigen musste, rutschten auf meiner To-Do-Liste immer weiter nach unten. Priorität hatten plötzlich Punkte wie „Blognamen überlegen“ und „E-Book XY lesen“. Der Reiseführer, den ich mir kurz vorher über Kolumbien bestellt hatte, ist mittlerweile unangetastet in meinen Rucksack gewandert.

Der plötzliche Wunsch, mich jetzt und hier und uneingeschränkt in das Digitale Nomadentum zu stürzen, füllte mich Morgen für Morgen mehr aus. Sogar so sehr, dass ich mich manchmal bei dem Gedanken erwischt habe „Eigentlich würde ich mich gerade viel lieber um meine Selbstständigkeit kümmern und 100% meiner Zeit reinstecken, als auf die Reise zu gehen“. Hallo? So war das aber nicht geplant. Bei der Reise wird der Großteil meiner Ersparnisse draufgehen – dann muss ich mich da doch verdammt noch mal auch richtig drauf freuen!

Und so sehr das Leben der Digitalen Nomaden ja auch mit Reisen verknüpft ist – ich glaube, es ist ein ganz anderes Reisen als als Touri/Backpacker/Abenteurer. Vermutlich reist man langsamer, wohnt ruhiger, sucht nach gutem Internet statt nach neuen Ausflügen und verbringt mehr Zeit am Laptop als am Strand. Passt erst mal nicht wirklich mit meiner ursprünglichen Reise-Mind-Map zusammen. Da ich aber merke, dass ich mein Projekt „Selbständigkeit“ für die kommenden Monate nicht einfach auf Eis legen will, muss ich irgendwie versuchen, das ganze unter einen (Sonnen-)Hut zu bringen.

Und ich befürchte, dass genau das meine größte Herausforderung der ersten Reise-Wochen sein wird. Jeden Tag aufs Neue abzuwägen zwischen dem Wunsch, das Land zu erkunden und neue Menschen kennen zu lernen und dem Drang, mich um meinen Blog und das, was langfristig noch mit meiner Selbstständigkeit zu tun hat, zu kümmern. Das Wissen abzuschütteln, dass ich für die ersten Schritte ins Digitale Nomadentum nicht ans andere Ende der Welt hätte fliegen müssen. Die Erkenntnis zulassen, dass man nun mal nicht alles haben kann. Und das Vertrauen aufrecht zu erhalten, dass die Reise so verlaufen wird wie sie soll.

Ich werde vermutlich weniger vom Land sehen, weniger feiern gehen und weniger Zeit am Strand chillen als ursprünglich geplant. Aber dafür wird die Reise vermutlich wegweisender für meine Zukunft sein als ursprünglich ausgemalt. Und mal wieder merke ich, wie wichtig es ist, sich von Ideen und Vorstellungen lösen zu können, um immer wieder Richtungswechsel zuzulassen. Beim Denken und beim Reisen.

7 Kommentare zu „Mein erster Reise-Konflikt“

  1. So wie wir dich in den letzten 10 Tagen erlebt haben, wirst du noch gestärkter und happier durch risk zurück kommen.Gaub an dich,wie wir es tun. In Liebe, dein Papa😅

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    1. Dss ist ganz ganz lieb, dass Du das schreibst! Dieser „Konflikt“ ist in den ersten Tagen auch gar nicht wirklich präsent weil ich mich einfach hab treiben lassen. Jetzt merke ich aber, dass ich total kribbelig in den Fingern bin und so Lust hab, mich um den Blog zu kümmern, dass ich in Medellin wohl viel in Cafes mit WiFi sitzen werde – so lange es mir Spaß macht. Und wenn ich mehr Lust auf Strand hab, flieg ich einfach an die Küste 😉

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