Endlich angekommen

Nein nein, Du hast die letzten Blogeinträge nicht falsch  verstanden. Ich bin schon vor 16 Tagen in Kolumbien gelandet. Aber angekommen? Das Gefühl hatte ich irgendwie bisher nicht wirklich. So viele neue Eindrücke, die mein Kopf nicht richtig verarbeiten konnte, so viel Lärm und eine ständige Unruhe, die mich Tag und Nacht begleitet hat. Seit gestern Abend habe ich aber nun das Gefühl, endlich ein Stück weit angekommen zu sein.

Ich bin am Meer. Wie ich es vermisst habe! Irgendwie komisch, da ich in meinem Hamburger Alltag das Meer auch nur auf Fotos sehe oder im Fernsehen rauschen höre, aber in den vergangenen zwei Wochen hat es mir – mal mehr, mal weniger bewusst – ziemlich gefehlt.

Vielleicht lag es daran, dass ich diese Reise insgesamt mit viel Strand, Sonne und Wasser verbunden habe. Vermutlich auch daran, dass ich mich vorher so wenig über das Land informiert habe (also gut, ich hatte natürlich schon herausgefunden, dass weder Medellín noch Bogotá am Wasser liegen, aber irgendwie war ich trotzdem ein bisschen desillusioniert, wieder in „ganz normalen“ Großstädten gelandet zu sein).

Und irgendwie haben die Städte mich gestresst. Ich habe noch nicht eine Nacht durchgeschlafen, seit ich in Kolumbien bin und hatte vor allem die letzten Tage mit starker Müdig- und Antriebslosigkeit zu kämpfen. Erholung habe ich höchstens in den Hängematten im Hostel gefunden (und nicht immer genießen können), aber zumindest gefühlt hat mir Medellín sonst keine Ruheoasen angeboten. Einmal wollte ich zum Lesen in den botanischen Garten fahren – aber schon kam wieder jemand um die Ecke mit den Worten „Naja ob Du Dich da so ganz alleine entspannen kannst? Ist halt schon recht touristisch und daher auch eine beliebte Ecke für …“. Jaja. Ich versteh schon. Vermutlich nicht ganz ungefährlich. Und mit meinem Kindle wäre ich noch ein interessanteres Opfer als mit einem einfachen Buch. Also wieder in die Hängematte.

Ich habe oft Sehnsucht nach Meer gehabt. Wie gerne wäre ich in Momenten, in denen mir alles ein bisschen über den Kopf wächst, einfach zum Strand gegangen, hätte den warmen Sand zwischen meinen Zehen gespürt und das kühle Wasser an meinen Beinen.Hätte mich einfach irgendwo hingesetzt, das Meer beobachtet, die Wellen, wie sie gleichmäßig Richtung Strand wandern. Den Vögeln beim durch-den-Himmel-Gleiten zugeschaut. Dabei den warmen Wind auf meiner Haut.

Gestern Abend ist aus dem „Ich wünschte, ich könnte!“ ein „Ich kann!“ geworden. Nach knapp einer Stunde Flug bin ich gegen 22 Uhr in Santa Marta gelandet – hallo Karibik, da bin ich endlich! Schon als ich am Gepäckband auf meinen Rucksack gewartet habe, rief jemand laut von draußen nach mir – Alberto stand dort mit einem Schild, auf dem mein Name in großen Leuchtbuchstaben stand, und einem noch größeren Grinsen. Ein Taxifahrer, der vom Hostel für mich organisiert wurde und der sich offensichtlich über neuen „Gringa-Besuch“ freute. Und auch für mich war es ein schönes Gefühl, dass jemand auf mich wartete.

Das zweite Highlight folgte keine 5 Minuten später: Keine 10 Schritte hatte ich in der schwülen Hitze außerhalb des Flughafens gemacht, da konnte ich schon das Meer hören. Und riechen. Und sehen!! Alberto verfrachtete meinen Rucksack in den Kofferraum, während ich einmal laut jubelnd im Dunkeln meine Füße in den Sand tunkte. Ich war zwar noch immer unfassbar müde, wurde gleichzeitig aber von einen rauschenden Energieschub erfasst. Was für eine Wirkung das Meer doch immer wieder hat!

Heute Morgen war ich mal wieder sehr früh wach und wollte einfach nur losspazieren. Gedacht, getan. Da ich die anderen nicht wecken wollte, habe ich mir schnell die Klamotten von gestern übergeworfen und bin losmarschiert. Wobei marschieren musste ich gar nicht – das Meer ist nur 2 Minuten vom Hostel entfernt!!! Schon von der Haustür aus kann man es sehen. Meine müden Augen haben sich von ganz allein in große Kinderaugen verwandelt und mit viel mehr Energie als an allen Tagen zuvor bin ich durch die laute Straße Richtung Meer gelaufen.

Der Strand hier ist mit Sicherheit nicht der schönste, an vielen Ecken dreckig und er bietet neben dem schönen Blick aufs Meer auch eine hervorragende Aussicht auf den Industriehafen direkt nebenan. Aber das war mir so egal. Der Sand kitzelte meine Füße, das Wasser spritzte gegen meine Beine und die Sonne wärmte mir schon von wolkenlosem Himmel den Rücken. Das, wovon ich die letzten Wochen geträumt habe. Und manchmal ist es eben doch ganz schön, wenn Träume sich erfüllen und mit erlebt werden können.

Und wenn es nur der Traum davon ist, anzukommen. Zumindest für einen Moment.

Ich bin gespannt, wie lange das Gefühl noch anhält. Wo würdest Du im Moment gerne ankommen?

 

2 Kommentare zu „Endlich angekommen“

  1. Ich würde zu gerne in meinen Garten in der warmen Sonne sitzen in lesen. Es regnet in Strömen und soll für mehrere Tage so bleiben. Hurry up summer!! 🌞

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