5 Tage im Paradies / Teil 1

Eigentlich wollte ich Dich hier nicht mit Artikeln langweilen, in denen ich Dir nur erzähle, was ich in den vergangenen Tagen erlebt habe, nicht neidisch machen mit Fotos oder Berichten von traumhaften Plätzen, die ich entdeckt habe. Aber den letzten 5 Tagen und dem wunderschönen Parque Tayrona bin ich einen solchen Artikel schuldig. (Update: eine Folge solcher Artikel. Es waren einfach zu wunderbare Tage, um sie in einen einzigen Artikel zu packen, der in einigermaßen humaner Zeit zu lesen ist). Daher warne ich Dich vor: Du solltest nur weiterlesen, wenn Du Lust auf Fernweh hast, Dich in eine traumhafte Welt entführen lassen und Fotos sehen möchtest, die teilweise das Zeug zum Postkarten-Motiv haben.

Du bist noch da? Ich freu mich! Dann nimm Dir ein bisschen Zeit, lehn Dich zurück und komm mit ins Paradies.

Mittwoch früh sind wir gestartet. Wir, das sind zwei Belgierinnen, ein Deutscher, ich und vier Rucksäcke bepackt mit Wasser, Crackern, Nüssen, Mückenspray, Sonnencreme, Bikinis und (ganz wichtig!) Toilettenpapier; alle mit Vorfreude, aber recht wenig Erwartungen, da wir uns vorher bewusst wenig über den Park informiert haben. Zwei Nächte wollten wir bleiben, naja, wenn es ganz besonders schön würde vielleicht auch drei. Mehr würden wir vermutlich nicht aushalten, denn im Park gibt es neben Zelten noch genau eine andere erschwingliche Schlafmöglichkeit: Hängematten. Und da es für  uns alle die erste Nacht in einem schaukelnden Tuch sein sollte, hatten wir keine Ahnung, ob und für wie lange wir die Augen zumachen konnten.

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Etwas mehr als eine Stunde hat der vollgestopfte Bus von Santa Marta zum Parkeingang gebraucht, von wo aus wir auf jegliches Transportmittel (Kleinbus oder Pferd) verzichtet haben und direkt losmarschiert sind. Auch wenn der Weg uns die erste Stunde noch über eine asphaltierte Straße führte, haben wir schon hier jede Menge entdeckt: riesige Gottesanbeterinnen, gigantische Ameisenscharen, die in beeindruckender Organisation Blätter transportiert haben und sogar einen Affen haben wir in den Palmen herumspringen sehen.

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Kurz bevor der „richtige“ Park mit seinen unwegsameren Ecken anfing, zeigte ein unscheinbares Schild in Richtung Mirador. Aussichtspunkt klingt immer gut und wir hatten ja Zeit, also haben wir uns auf den Weg dorthin gemacht – als einzige, wie sich nicht nur auf dem Weg herausstellen sollte, sondern auch am Ziel. Erwartet hatten wir eine schöne Aussicht über einen Fluss in der Nähe und ein paar Steine im Wasser. Daher hat uns das, was sich hinter Palmen versteckt hielt, fast den Atem geraubt:

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Wir sind über den menschenleeren Strand herumgerannt wie kleine Kinder und haben uns gefühlt wie Robin Hood und Columbus gleichzeitig, als wir den Fluss entdeckt haben, der sich aus dem grünen Dschungel direkt ins Meer schlängelt. Die Wellen sind mit unglaublicher Kraft gegen die großen Steine gekracht und ich habe die Macht der Natur selten so deutlich gespürt wie hier. Wir konnten uns kaum losreißen von diesem paradiesischen Stück Erde, aber wir hatten schließlich noch eine ordentliche Wanderung zu unserer ersten Unterkunft Arrecifes vor uns.

Der Weg, den wir teils über Sand gelaufen  über Steine geklettert und über Treppen mit unsinnig großen und daher anstrengenden Höhen gestiegen sind, hat uns immer wieder neu überrascht: Haben wir uns gerade noch bei schwüler Hitze über den Strand gekämpft, waren wir keine Minute später wieder umzingelt von schattenspendenden Palmen und jahrhundertalten Bäumen, zwischen denen wir das Meer glitzern sehen konnten. Etwas tiefer im Dschungel sind wir plötzlich auf ein paar indigene Kinder gestoßen, die Kokosnüsse an die meist erschöpften Parkbesucher verkauft haben.

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Dankbar für die kleine Pause haben wir für etwas mehr als einen Euro das Wasser aus der gigantischen Nuss geschlürft, die die Kinder danach mit ihrer Machete und angsteinflößender Präzision aufgeschlagen haben, so dass wir uns auch noch mit dem saftigen Kokosfleisch für den weiteren Weg stärken konnten. Und wow, hat das gut geschmeckt!!

Nach ca. 1,5 weiteren Stunden sind wir in Arrecifes angekommen, einem großen und weitläufigen Campingplatz nur ein paar Minuten vom Strand entfernt. Ganz am Ende des Platzes, quasi direkt am Übergang zum Dschungel, bekam jeder von uns eine Hängematte mit Moskitonetz (wie aufregend!) und ein dazugehöriges Schließfach (wie praktisch!) zugewiesen, in welchen wir schnell unsere Sachen verstauten, um uns auf Richtung Strand zu machen. Die Schwüle hatte die Wanderung ganz schön anstrengend gemacht und wir wollten nur noch ins erfrischende Meer springen.

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Bis zum Strand La Piscina, wo man auch schwimmen darf (an den meisten anderen Stränden ist es wegen der starken Strömung verboten) mussten wir noch ein ganzes Stück laufen – aber selbst dieser Weg wird uns wohl immer in Erinnerung bleiben, da wir auf halber Strecke in einem kleinen Ausläufer des Flusses etwas entdeckt habe, was ich noch nie in freier Wildbahn gesehen habe (und irgendwie auch nie so heiß drauf war): einen Alligator. Das geschätzt 2 Meter lange Tier hat zum Glück vollkommen desinteressiert am anderen Ufer gechillt, so dass wir uns bis auf ein paar Meter herangetraut haben (es wäre ein super Foto geworden, hätten wir nur nicht alle Wertsachen inklusive Kamera im Schließfach gelassen).

Am Strand angekommen sind wir nach der dringend nötigen Abkühlung alle erstmal eingeschlafen, bevor wir am späten Nachmittag wieder Richtung Camp aufgebrochen sind. Nach einer eiskalten Dusche sind wir in einem Nebel aus Mückenspray zum einzigen Restaurant auf dem Platz gegangen, wo es frischgepresste Säfte und die Auswahl zwischen Hähnchen mit Pommes, Steak mit Pommes oder Fisch mit Pommes gab – jeweils in ca.8 verschiedenen Ausführungen. Das nennt man dann wohl große Auswahl…

Was mir schon an diesem ersten Abend total gut gefallen hat: nachdem es um kurz nach 6 dunkel wird, kommen alle in dem Restaurant an den wenigen, aber ausreichenden Tischen zusammen, bis es um 9 Uhr schließt – und den riesigen Platz komplett ins Dunkle taucht. Auf dem Weg zu unseren Hängematten bin ich ein paar Mal ordentlich ins Stolpern gekommen, denn ich konnte meine Augen einfach nicht von dem gigantischen Sternenhimmel lösen. So weit entfernt von jeglichem Licht tauchen plötzlich Sterne auf, von denen man nicht mal geahnt hat, dass sie da sind und verwandeln den schwarzen Himmel in ein einziges funkelndes Tuch, das Nacht für Nacht über uns ausgebreitet wird.

Über das Moskitonetz, das gleichzeitig über meiner Hängematte ausgebreitet war, war ich ganz besonders dankbar, als ich gesehen habe, dass große Kakerlaken und riesige Heuschrecken es sich darauf bequem gemacht haben – also bitte, besser darauf als auf meinem Gesicht später. Ich war voller Gefühlschaos, als ich mich am Rande des Dschungels in einer Hängematte in mein Handtuch gekuschelt habe, den Fledermäusen nur wenige Meter über mir zugehört und die Krabbelgeräusche um mich herum versucht habe auszublenden.

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So viel Stille und gleichzeitig so viele ungewohnte Geräusche. So ein friedliches Gefühl gepaart mit den angsteinflößenden Gedanken an die indigenen Einwohner mit ihren langen Macheten. So eine unbekannte Geborgenheit in der Natur mit dem aufregenden, aber irgendwie beunruhigenden Gefühl, hier völlig abgeschnitten von der Außenwelt zu sein. Ob mich das hat schlafen lassen und warum das noch lange nicht das aufregendste Erlebnis war erzähle ich Dir in Teil 2 🙂

15 Kommentare zu „5 Tage im Paradies / Teil 1“

  1. Lisa, was Du alles erlebst und aushältst.
    Ich ziehe den Hut, den ich garnicht habe.

    Meine Lisa, der ich jede RIESEN-Spinne aus dem Zimmer fangen musste, schläft im Dschungel, wo es nur so kreucht und fleucht.

    Deine Bilder und Erzählung faszinieren. mich und machen Lust auf mehr

    Liebe Grüße, Dein Papa

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    1. Ach ich weiß gar nicht, ob man das als „aushalten“ bezeichnen kann. Ich bring mich ja immer wieder selbst in solche Situationen. Und wer muss noch mal die Suppe auslöffeln, die man sich selbst eingebrockt hat? 😉
      Aber ein klitzekleines bisschen stolz bin ich auch jedes Mal, wenn ich nicht wie früher schreiend wegrenne, wenn ich eine RIESEN-Spinne sehe (und hier sind die WIRKLICH groß ;)) Und die Geschichte, dass ich Dich von meinem Zimmer aus angerufen habe, damit Du von unten hochkommst, um die Spinne über meiner Tür wegzumachen, habe ich nicht erst einmal erzählt 😉

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  2. Lisa, endlich muss auch ich dir hier einmal öffentlich schreiben und sagen: DEIN BLOG IST GROßARTIG!!! Du hast einen ganz tollen Schreibstil, schöne Zitate & Gedanken, atemberaubende Motive.. Einfach schön! Ich freue mich, dass du diese besondere Reise durch deine Geschichten mit uns teilst. Und das auf deine LISA-einzigartige Weise. Pass weiterhin auf dich auf, besos, abrazos y disfruta de la vida!

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    1. Ohhhh Maren, vielen vielen Dank für diesen super lieben Kommentar. Ich freu mich gerade total 🙂 Wie schön, dass Dir der Blog so gut gefällt – und Danke, dass Du meine Reise verfolgst :-*
      Un beso desde Santa Marta

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  3. Achja, wie cool, dieses Bild mit Hängematte und Moskitonetz kommt mir bekannt vor. Habe auch mal so übernachtet, im Dschungel von Suriname. Definitiv ne coole Erfahrung auch wenn ich zum Glück keine Kakerlake an meinem Netz kleben hatte. 🙂
    Respekt für die coole Tour!

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    1. Danke Chris für deinen Kommentar und deinen Respekt 😉 Ist ganz witzig, jetzt wo ich wieder in Hamburg bin kann ich mir so ne Nacht mit Kakerlake als Bett-Gefährte auch so gar nicht mehr vorstellen 😀 Wie cool, dass du so eine Erfahrung auch schon mal gemacht hast – klingt so abgedroschen aber ist ja so: Das kann uns niemand mehr nehmen 🙂

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