Es kommen auch wieder bessere Zeiten…

Wenn wir gerade das Gefühl haben, dass das Leben es nicht besonders gut mit uns meint, wir keine Freude mehr empfinden oder einfach nur traurig oder schlecht gelaunt oder überfordert oder alles zusammen sind, ist dieser Spruch wohl einer derjenigen, die wir am allerwenigsten hören wollen. Aber vielleicht auch der, der am wahrsten ist.

Auch ich kenne solche Phasen und vor allem in den vergangenen Monaten hat es ihnen scheinbar so gut bei mir gefallen, dass die penetrant immer wieder gekommen und in meinen Augen viel zu lange geblieben sind. Und auch ich habe dann häufig gehört „Ach Lisa, es kommen auch wieder bessere Zeiten“. Ich weiß, dass es gut und aufmunternd gemeint war. Aber in dem Moment wollte ich es einfach nicht hören.

„Das hilft mir aber jetzt gerade nicht weiter“, „Diesmal fühlt sich meine Situation aber WIRKLICH total festgefahren an und ich weiß nicht wie sich das jemals wieder bessern soll“ oder „Ihr habt gut reden, woher wollt Ihr den wissen, was in Zukunft noch alles passiert?“ waren nur ein paar der Gedanken, die mir als stumme Antworten durch den Kopf gerast sind.

Doch mit der Zeit habe ich angefangen, diesen Spruch zu hinterfragen und die Wahrheit dahinter zu erkennen. Wie so häufig im Leben legen wir auch hier den Fokus vor allem auf das Negative. Natürlich können wir den Spruch in einer verfahrenen Situation nicht glauben. Aber warum eigentlich nicht? Sind wir nicht alle schon häufiger durch schlechte Phasen gegangen, die sich irgendwann wieder aus unserem Leben verabschiedet haben, mal schleichend, mal mit einem lauten Freuden-Knall? Klar – aber genau hier liegt das Problem.

Wir erinnern uns daran nicht. Wir erinnern uns an die schlechten Zeiten, an Tränen und Verzweiflung, wir wissen noch genau, wie es sich angefühlt hat. Und auch an gute Phasen, an Glück und Freude erinnern wir uns. Woran wir uns aber nur selten erinnern ist der Übergang von der schlechten zur guten Phase, von Verzweiflung zur Hoffnung, von Traurigkeit zum Glück. Wir nehmen es einfach als gegeben hin, dass es uns wieder gut geht – bis zum nächsten dunklen Loch, in das wir irgendwann stolpern und dann völlig vergessen haben, wie wir das letzte Mal rausgekommen sind. Und manchmal sogar, DASS wir das letzte Mal rausgekommen sind.

Dabei kann uns gerade dieses Wissen, dieser Glaube daran, dass „auch wieder andere Zeiten kommen“ durch schlechte Zeiten tragen, uns Hoffnung geben und vor allem das beruhigende Gefühl, dass wir manchmal gar nichts anderes tun können und müssen als zu Warten. So war es bei mir vor zwei Wochen. Ich habe mich grundlos antriebslos gefühlt, hatte keine Lust, etwas zu unternehmen, mit anderen Leuten zu reden, zu meditieren oder zu schreiben. Um mich etwas da raus zu holen, habe ich entschieden, an einen wunderschönen Strand zu fahren und eine oder zwei Nächte dort zu bleiben.

Doch das hat es am Anfang noch schlimmer gemacht. Es gab dort nichts zu tun außer am Strand chillen, lesen oder Leute kennenlernen. Auf nichts davon hatte ich Lust, so dass ich die ersten Stunden völlig frustriert in einer Hängematte verbracht habe. Das einzige, was ich getan habe, war grübeln. Warum um Himmels Willen bin ich so schlecht drauf? Warum kann ich mich nicht einfach über diesen schönen Ort freuen? Warum bin ich so undankbar? Was hab ich in den letzten Tagen falsch gemacht? Und was muss ich jetzt tun, um mich wieder besser zu fühlen?

Doch dann habe ich gemerkt, dass mich all diese Fragen (und glaub mir, das ist nur ein winziger Bruchteil all der frustrierenden Fragen, die mich an diesem Tag gequält haben) nur noch weiter runter ziehen. Und plötzlich habe ich mich an den Spruch erinnert. An diesen nervigen Spruch, den ich eigentlich niemals hören will. Es kommen wieder bessere Zeiten. Aber dieses Mal hat der Spruch ganz deutlich etwas ausgelöst.

Ich habe entschieden, einfach mal darauf zu vertrauen und abzuwarten. Einfach nur zu warten. Und – vermutlich das allerwichtigste – zu akzeptieren, dass es mir gerade nicht gut geht. Es einfach so sein zu lassen. Und wenn es am nächsten Tag noch nicht besser sein sollte würde ich erneut entscheiden, wie ich weiter mache. Was dann passiert ist? Sie sind einfach gekommen, die besseren Zeiten. Ich habe absolut nichts dafür gemacht außer mich in Geduld und Vertrauen zu üben und meine schlechte Laune zu akzeptieren, ohne es zu bewerten, ohne mir oder der Situation dafür die Schuld zu geben.

Nachdem ich auch den nächsten Tag unzufrieden mit mir selbst verbracht habe und eigentlich am Tag darauf wieder fahren wollte, hat mich langsam aber sicher etwas aus dem Loch gezogen. Ich weiß nicht genau, was es war, aber ich weiß, was es ausgelöst hat: eine der glücklichsten Wochen in meinem Leben, die darauf folgte. Ich habe so viel gelacht wie lange nicht mehr, wunderbare Menschen kennen gelernt, mir nachts die Füße im Sand wund getanzt, bin das erste Mal von Felsen gesprungen (jep, mit fast 29….), in versteckte Paradiese geführt worden und habe so sehr im Moment gelebt, wie es mir nur selten gelingt.

Dass ich gar nichts dafür getan habe stimmt vielleicht allerdings nicht so ganz. Es war anstrengend, meine Laune zu akzeptieren. Mühsam, mich an den noch brüchigen Strohhalm der besseren Zeiten zu klammern. Und anfangs frustrierend, dass weder Wellenrauschen noch Sonne noch meine geliebte Musik mich aufheitern konnten. Aber das Warten hat sich gelohnt.

Und nun schreibe ich diesen Artikel genau aus dem Grund. Weil ich mich an das Warten erinnern möchte. Weil ich lernen möchte, noch dankbarer für die schönen Momente im Leben zu sein und es nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Und weil ich ab jetzt die Übergänge von schlecht zu gut, von unglücklich zu glücklich bewusster wahrnehmen möchte, damit sich die Gewissheit in meinem Kopf einnistet, dass es stimmt. Dass auch wieder bessere Zeiten kommen. Mal schneller, mal langsamer. Aber sie kommen.

Was hilft Dir in schlechten Zeiten?

10 Kommentare zu „Es kommen auch wieder bessere Zeiten…“

  1. Wahre Worte! In schlechten Zeiten hilft mir mich immer daran zu erinnern, was eigentlich mein Zeil ist oder woran ich arbeite und welchen Nutzen es für mich persönlich hat. Es ist schwierig, sich nicht anzuzweifeln und zu glauben, dass man versagt.. aber wie du sagst: Es kommen bessere Zeiten! Liebe Grüße, Julia ♥

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  2. Und es kommen auch wieder schlechtere, und danach wieder bessere, und………………………..
    Das ist Leben. Und wir meistern sie alle. Die guten und auch die schlechten.
    Pass nur auf, dass die einen Dich nicht runterziehen und die anderen Dich
    nicht zu hoch ziehen, damit der nächste Absturz nicht zu krass wird.

    Liebe Grüße und viel “ Mitgefühl „, Dein Papa

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    1. Du hast Recht! Leider fühlen sich die extremen „Hoch-Phasen“ oft so gut an, dass man für einen Moment vergisst, nicht zu hoch zu fliegen, um nicht so tief zu fallen. Ich versuche, mich daran zu erinnern 🙂 Liebe Grüße aus Cartagena

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  3. Ein toller Beitrag mit vielen wahren Worten! Ich freue mich sehr, dass es dir aktuell so gut geht :)). Auch wenn wir uns diese guten Zeiten immer wünschen, so bedarf es wohl gerade der schlechten Tage, um die Guten umso mehr schätzen zu können. :*

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    1. Danke 🙂 Und Du hast total Recht mit dem was Du sagst… Wenn wir uns das in den schlechten Zeiten immer wieder klar machen hilft der Gedanke bestimmt, diese zu überstehen :-*

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  4. Das erinnert mich sehr an Goethe’s Egmont…

    The phrase „Himmelhoch jauchzend, zu(m) Tode betrübt“ (heavenly joy, deadly sorrow) from Klärchen’s song in the third act has become a proverb often quoted by European intellectuals as characteristic of the Romantic soul:

    Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein;
    Langen und bangen in schwebender Pein;
    Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt;
    Glücklich allein ist die Seele, die liebt.
    In joy and in sorrow, be thoughtful;
    Long and fearful in suspended pain;
    Rejoicing to heaven, grieving to death;
    Blessed alone is the soul that loves.

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    1. Vielen lieben Dank Christina! Es erscheint uns oft so unwirklich, dass wir auch durch „nichts-tun“ scheinbar mal etwas erreichen können, aber du hast absolut recht: Abwarten (und vielleicht Tee trinken 😉) ist hier wohl das effektivste Mittel!

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