Wie ich rausgefunden habe, dass ich mal wieder zu viel eingepackt habe

Ich war so stolz auf mich. Mit nur knapp 14kg habe ich am 31.12.16 meine Reise gestartet – und der kleinste Teil davon waren Klamotten. Große Vorräte an Sonnencreme, Medikamenten und Kontaktlinsen haben nicht nur Platz, sondern auch den Löwenanteil des Gewichts meines neuen Rucksacks eingenommen. Ich habe wirklich so wenig wie möglich eingepackt – und dennoch zu viel.

Woher ich das weiß? Weil ich einige der Dinge, die mich noch von Hamburg nach Bogotá begleitet haben, nicht mehr besitze. Nein, nicht weil ich beklaut wurde. Auch nicht, weil ich aus Nächstenliebe mein weniges Hab und Gut verschenkt habe. Ich habe es einfach verloren. Mama, Du hast wohl Recht: in einigen Lebensbereichen kann ich mich scheinbar nicht organisieren ;-).

Es fing in Bogotá an. Meiner geliebten Naketano-Jogginghose hat es dort scheinbar so gut gefallen, dass sie mich nicht nach Medellín begleitet hat. In diesem ersten Fall hatte ich noch die Hoffnung, dass die beiden Amerikaner, die ein paar Stunden später in Medellín landen sollten, die Hose finden und mir mitbringen können. Aber nein, sie war auf wundersame Weise verschwunden.

Im ersten Moment habe ich mich einfach nur geärgert. Wie kann ich so blöd sein? Und warum nehme ich meine Lieblings-Jogginghose eigentlich mit auf die Reise? Ist sie vielleicht doch geklaut worden? Schnell habe ich aber gemerkt, dass diese Fragen mir absolut nicht weiterhelfen. Was würde es mir bringen, zu wissen, wo genau ich sie liegen gelassen habe? Was bringt mir der Ärger über den Verlust? Und was das Wissen, ob sie geklaut oder vergessen wurde? Nichts. Absolut richtig.

Darum habe ich mich mal wieder in einer meiner Lieblings-Disziplinen geübt: Radikale Akzeptanz. Dinge, die ich nicht ändern kann, einfach akzeptieren. Nicht so viel Energie – die anfangs ja sowieso noch recht bescheiden vorhanden war – fürs Ärgern verschwenden . Und, wenn möglich, was Positives aus der Situation mitnehmen. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass ich die Reise auch ohne Jogginghose wunderbar überstehe.

Mittlerweile sind zu meinem ersten Verlust-Objekt noch einige hinzu gekommen:

1 Top (ein Fünftel meines Bestandes!!) – offensichtlich auch in Bogotá gelassen

Kopfhörer (och nö, die waren so schön und praktisch) – keine Ahnung, wo die abgeblieben sind

Nackenkissen (extra ein gutes, teures vor der Reise gekauft – äääärgerlich!) – absolut keine Ahnung, in welchem Flieger ich das habe liegen lassen

Ohrstöpsel (4 der 5 Paare in der Packung hatte ich schon vorher verloren, aber jetzt ist mir auch tatsächlich noch das letzte abhanden gekommen) – ich glaube, ich hab sie in Santa Marta unter dem Kopfkissen liegen lassen

Duschhandtuch (sorry, Judith, so ein schönes Weihnachtsgeschenk :-/) – leider kann ich mich ganz genau erinnern, wo ich es vergessen habe. An einem Baum im Tayrona Park – nun weht da wohl meine ganz persönliche Flagge..

Sonnenbrille (zum Glück die günstige ohne Stärke…) – das letzte Mal habe ich sie auf der Fensterbank meines Zimmers im Hostel La Brisa Tranquila gesehen.

Strandtuch (schön groß, damit ich bloß mit keinem Körperteil im Sand liegen muss und es zusätzlich auch noch als Rock/Kleid tragen kann) – es wird netterweise an der Rezeption der Brisa Tranquila beherbergt, bis ich irgendwann noch mal vorbei komme..

Aber ich habe nicht nur Dinge verloren – einige sind zusätzlich auch noch kaputt gegangen:

BH (1 von 2, ach herrje, die Hälfte meines Bestandes!) – im Schleudergang des Trockners in Santa Marta auseinander gerissen, als ich versucht habe, all mein Zeug von Bettwanzen zu befreien.

Chucks (und ich habe sonst nur Flip Flops und Laufschuhe dabei) – die Verstärkung aus der Ferse hat sich verabschiedet, so dass die Schuhe jetzt bei jedem dritten Schritt vom Fuß rutschen. Passen tun sie aber trotzdem noch.

2 Zahlenschlösser (die guten… immerhin habe ich noch eins in Reserve..) – plötzlich hat an einem Tag an beiden Schlössern der Zahlencode nicht mehr funktioniert. Und ja, ich bin mir ganz sicher, dass ich den richtigen eingegeben habe 😉 Eins habe ich weggeschmissen, eins musste von meinem Schließfach losgeschweißt werden.

Wenn ich ehrlich bin, ist das eine ganz schön beängstigende Bilanz nach 5 Wochen reisen – vor allem, weil ich noch mehr als das Doppelte vor mir habe. Sollte mein Bestand weiterhin so rasant schrumpfen, stehe ich am Ende vielleicht nur noch in Bikini da. Aber:  so what!?

Klar habe ich an kalten Abenden schon meine Jogginghose vermisst, aber ich habe einfach meine Schlaf-Leggings angezogen. Natürlich wären ein paar Flüge mit Nackenkissen bequemer gewesen, aber auch ohne habe ich sie gut überstanden. Klar fehlt mir mein Top, was dummerweise auch noch einzige war, das ich ganz normal mit nem BH drunter anziehen konnte, aber auch in meinen neuen Kombinationen konnte ich bisher auf die Straße gehen, ohne dumm angeguckt zu werden.

Und vor allem bei meinem Strandtag auf der Isla Barú hat mir meine Sonnenbrille extrem gefehlt. Aber ich bin in der glücklichen Situation, mir Dinge, die ich wirklich vermisse, neu kaufen zu können. So wie Kopfhörer für 3€ an der Straße. Oder eine neue Sonnenbrille, die ganz oben auf meiner Wunschliste steht.

Durch meine Verplantheit durfte ich aber auch immer wieder die Hilfsbereitschaft anderer Menschen erfahren. Mir wurde angeboten, mir mein Strandtuch per Fed-Ex nachzuschicken. Von einem Hostel habe ich ein Travel-Handtuch, das vergessen und nicht mehr abgeholt würde, geschenkt bekommen. Und nach einer ätzenden Nacht ohne Ohrstöpsel hat mir eine andere Backpackerin eins ihrer Paare geschenkt (unbenutzt natürlich ;)).

Und einmal mehr kann ich feststellen, wie wenig wir eigentlich brauchen, um gut über die Runden zu kommen. Wie wenig Konsumgüter wir brauchen, um glücklich zu sein. Ich habe geglaubt, schon mit dem absoluten Minimum los zu reisen, aber selbst das war noch zu viel. Natürlich sind ein paar Extras schön, natürlich genieße auch ich Luxus. Aber noch mehr genieße ich gerade das Gefühl, mit viel weniger als gedacht auszukommen. Ich bin gespannt, ob ich die Packliste meiner nächsten Reise dann wirklich dementsprechend gestalte 😉

Hast Du auch schon mal festgestellt, dass Du viel zu viel eingepackt hast?

 

 

15 Kommentare zu „Wie ich rausgefunden habe, dass ich mal wieder zu viel eingepackt habe“

  1. Wie cool! Mir geht es auch so mit dem Verlieren 😀 …und einiges mache ich auch einfach kaputt. Ich achte auf Busfahrten und Flügen immer total übertrieben darauf, dass mir nichts geklaut wird und am Ende lass ich meine einzige Jacke irgendwo liegen, werfe meine Sonnenbrille und (!) Brille runter oder verliere mein teures 3-Tages-Ticket am 1. Tag. Aber wie du schon sagst, es ist ärgerlich, aber sowas passiert einfach, wenn man unterwegs ist. Und es beeinflusst nicht, wie glücklich du wirklich bist. Ganz im Gegenteil! Irgendwie stimmt es ja: je weniger man besitzt, desto zufriedener ist man. Ganz viel Spaß in Rio! Wie aufregend 😀

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    1. Hahahaha! Wie beruhigend, dass es nicht nur mir so geht 😉 Und die extreme Vorsicht, dass mir niemand was klaut, kenne ich auch zu gut! Aber dann passieren Dinge wie gestern, als ich am Flughafen mein Handy am Geldautomaten hab liegen lassen und als ich zurück gerannt bin stand da ein Brasilianer der die ganze Zeit drauf aufgepasst hat… vielleicht müssen wir manchmal die meiste Angst vor uns selbst haben 😉

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  2. Ich bin echt beeindruckt ! Mit so wenig bin ich noch nie verreist. Du inspirierst mich echt. Mal sehen wohin meine nächste Reise geht 🙂 Tolles Blog

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    1. Wow, vielen Dank für Deinen Kommentar! 🙂 Ich freue mich jedes Mal riesig zu hören, dass ich mit meinem Blog andere inspirieren kann! Danke für die Rückmeldung! Weißt Du schon wohin es bei Dir als nächstes geht?

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  3. Ach Lisa, schön, wie du mit der Situation umgehst 😀 Du hast so recht: Wir schleppen im Prinzip immer viel zu viel an materiellen Dingen mit und solange wir nur den Verlust dieser Dinge verkraften müssen, sollten wir uns immer wieder vor Augen führen, dass dies halb so wild ist und es uns vielleicht etwas Luxus nimmt, aber es uns körperlich gut geht und wir das Leben genießen können. Schön, dass das Handtuch im Paradies geblieben ist ;). Ich hätte mit Sicherheit bisher genauso viel vergessen und verloren 😀

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    1. Ja genau! Und irgendwie merkt man dann doch irgendwann, dass es sich viel bess und anfühlt, auf nur wenige materielle Dinge angewiesen zu sein. Das Lied „leichtes Gepäck“ von Silbermond ist dazu ja auch total passend 🙂
      Und hihi das stimmt, du hättest vermutlich mittlerweile schon mehr als die Hälfte verloren 😛 Gut, dass ich nur eins von deinen zwei Handtüchern mitgenommen habe 😉

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