Ist das Digitale Nomadentum überhaupt was für mich?

„Soon to be digital nomad“ – so beschreibe ich mich auf meinem Instagram Profil. Auf meinem Blog kannst du mich bei meiner „Reise ins Digitale Nomadentum“ begleiten. Ich habe mich entschieden, nach Kolumbien zurück zu kehren, um zur Ruhe zu kommen und mir Gedanken über meine Zukunft zu machen, Wege ins Digitale Nomadentum zu finden und viel, viel für meinen Blog zu schreiben. Aber wie du vermutlich selbst schon gemerkt hast: ich lasse wenig von mir hören, lade selten Videos bei Facebook hoch, weniger Fotos bei Instagram als vorher und zu lesen gab es schon viel zu lange nichts von mir.  Ist das vielleicht ein Zeichen, dass ich eigentlich gar keine Lust darauf habe?

Diese Frage habe ich mir in den vergangenen 2 Wochen nach meinem letzten Blogpost häufig gestellt. Ich habe keine Lust zu schreiben, bin zu faul, um Videos zu machen und zu unkreativ, mir in diesem Paradies Motive für Bilder zu suchen. Was ist denn los mit mir? Ich mache mir selbst ein bisschen Angst. Denn Faulheit, Unkreativität und Lustlosigkeit sind vermutlich drei der verheerendsten Voraussetzungen, um sich selbständig zu machen.

Aber wie kann sich das so schnell und vor allem hier ändern? Habe ich mir mit der Rückkehr ins kolumbianische Paradies nicht die perfekten äußeren Voraussetzungen geschaffen, um mich mit Vollgas um mein neues Leben zu kümmern? Die Wahrheit ist: Nein. Ganz im Gegenteil. Nur habe ich das vorher nicht bedacht.

Ich lebe gerade einen absoluten Traum – vermutlich nicht nur von mir, sondern vielleicht auch von dir und Tausenden anderen. Ich lebe und arbeite im Paradies. Das erste, was meine Füße auf dem Weg zum Bad berühren, ist Sand. Ich brauche hier keine Schuhe und nichts außer meinen Bikini oder ein Kleid für die Arbeit. Den ganzen Tag kann ich umsonst frische Fruchtsäfte trinken, mich abends mit den leckersten Cocktails ans Lagerfeuer setzen und abwechselnd Gitarrenmusik oder dem Wellenrauschen zuhören. Oder aus der Hängematte in den Sternenhimmel gucken, wenn ich meine Ruhe brauche.

Natürlich arbeite ich auch. Mit einer 40 Stunden Woche für ein Volunteering sogar ziemlich viel. Aber was ist denn das bitte für eine geile Arbeit? Ich bin mit so tollen Menschen zusammen, kann meine Leidenschaft für Sprachen hier voll ausleben, den ganzen Tag läuft meine Lieblingsmusik, wir sehen das Meer von der Bar aus, tanzen eigentlich ununterbrochen, während wir Bestellungen annehmen oder Geschirr waschen und lachen, lachen, lachen.

Und ja, manchmal fühlt es sich tatsächlich wie Arbeit an, wenn ich morgens früh hinter der Bar stehen muss und von nervigen Gästen blöd angemacht werde. Oder abends nach viel zu viel Sonne noch bis Mitternacht Cocktails mischen und mit Leuten kommunizieren muss, obwohl ich eigentlich nur schlafen will. Letzte Woche musste ich nach einer großen Party, zu viel Alkohol und kaum Schlaf morgens um halb 8 arbeiten und war völlig fertig. Mein Kollege hat mich dann zum Wachwerden erstmal ins Meer geschickt und als ich wieder kam hatte ich einen frischen Melonensaft vor mir stehen. Wow, was ein Leben!

Und genau hier habe ich einen Denkfehler gemacht. Ich dachte, das hier sei die perfekte Umgebung, um mich voll und ganz in die Planung meines neuen Lebens zu stürzen, das mich glücklicher machen soll als mein bisheriges. Das „Problem“ ist aber: ich lebe gerade ein absolut paradiesisches Leben hier und bin so, so glücklich. Wo soll dann bitte die Motivation herkommen, daran etwas zu ändern?

Denn man wird nicht von heute auf morgen und auch nicht auf übermorgen Digitaler Nomade. Man muss viel Zeit investieren, sehr viel Zeit. Man muss viel arbeiten, vor allem am Anfang. Sehr viel. Man muss sich voll und ganz auf dieses neue Leben konzentrieren. Und Opfer bringen. Und wann ist man bereit, das zu tun? Wenn der Schmerz zu groß ist. Wenn man einfach nicht mehr so weitermachen will wie bisher. Wenn man Träume verwirklichen will.

Diesen Schmerz kenne ich und habe ihn tief, tief gespürt, als ich noch in Deutschland war. Und ich weiß, dass er wieder kommen wird. Aber jetzt und hier ist davon nichts übrig, kein Stechen, kein Pieksen, nicht mal ein leichtes unangenehmes Kribbeln. Und es scheint fast unmöglich, von meinem neuen Leben zu träumen, denn ich lebe hier gerade einen Traum.

Diesen Zusammenhang habe ich bis vor ein paar Tagen nicht gesehen. Wenn ich es jetzt so schreibe macht es total Sinn, ich erkenne die Logik dahinter. Vorher habe ich mal wieder gegen mein schlechtes Gewissen gekämpft und war irgendwie ein bisschen unzufrieden mit mir und meiner scheinbar grundlosen Demotivation. Um zumindest irgendetwas in Richtung „Neues Leben“ zu tun habe ich endlich angefangen, Conni Biesalskis E-Book „Digital, unabhängig, frei“ zu lesen – für mich soweit ich mich auskenne die Bibel für angehende Digitale Nomaden.

Sie schreibt schonungslos und offen auch über die Schattenseiten der Selbstständigkeit und konfrontiert mich nach fast jedem Kapitel mit der Frage, ob diese Form des Lebens wirklich die richtige für mich ist. Sie nennt alle Eigenschaften, die man als Digitaler Nomade mitbringen sollte, Opfer, die man bringen und Risiken, die man eingehen muss. Es ist ein langer Weg, ein steiniger, gerade am Anfang sehr steil und vermutlich recht einsam. Will ich ihn wirklich gehen?

JA. Nach jedem Kapitel und jedem Satz, der mir genau diese Frage stellt, höre ich meine innere Stimme laut JA schreien. Ja, das ist genau das Leben, das ich leben möchte, koste es was es wolle. Zumindest will ich es probieren. Und ich bin bereit zu scheitern und dann neu zu gucken. Eine der wichtigen Eigenschaften, die man für diesen Lebensstil mitbringen sollte – von denen ich glücklicherweise die meisten bereits besitze. An manchen Stellen des Buches habe ich sogar das Gefühl, ich sei prädestiniert dafür, dieses Leben auszuprobieren und meine Geschichte habe mir all das beigebracht, was ich dafür brauche.

Und ja, ich bin sowas von bereit, Opfer zu bringen. Geld zu sparen. Weniger Freizeit zu haben. Mehr Zeit vor dem Laptop zu verbringen. Viel alleine zu sein. Weniger feiern zu gehen. Wieder weniger im Jetzt zu leben, dafür mehr für meine Zukunft zu tun. Aber nicht jetzt. Nicht hier. Nicht, während ich im Paradies bin und meinen Traum lebe. Aber ich weiß, dass ich recht bald daraus aufwachen werde – und mich dann voller Tatendrang daran mache, meinen neuen Traum zu verfolgen: ein Online Business aufzubauen, um unabhängig und frei von überall arbeiten zu können.

Etwas sehr Wichtiges in Bezug auf die Realisierung dieses Traumes hat mich meine Reise aber definitiv gelehrt: Digitale Nomaden reisen anders als Backpacker. Ich werde mir andere Umgebungen und andere Voraussetzungen suchen müssen, um effektiv und mit voller Konzentration an mir und meinem Business zu arbeiten. Aber das ist noch mal eine andere Geschichte; also ja, du wirst weiterhin von mir hören. Die kommenden Wochen allerdings vermutlich weniger als in der Vergangenheit – und in der Zukunft 🙂

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2 Kommentare zu „Ist das Digitale Nomadentum überhaupt was für mich?“

  1. Hallo Lisa,
    mir gefällt, wie du dich bewusst mit deinen Wünschen und Bedürfnissen auseinander setzt. Genau darum geht es bei der Gestaltung eines selbstbestimmten und unabhängigen Lebens. Ich wünsche dir viel Mut und Tatkraft, und wenn du ein wenig Inspiration oder Motivation brauchst, dann schreib mir gern oder hole dir ein paar Impulse 😉
    LG
    Ewa

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