Sei dankbar, dass du es erleben durftest…

… nicht traurig, dass es vorbei ist. Wir alle kennen diesen Spruch. Egal ob eine traumhafte Reise, eine legendäre Party, eine intensive Beziehung oder einfach eine schöne Begegnung – wenn etwas endet, das wir genossen haben, das uns ein gutes Gefühl gegeben und uns glücklich gemacht hat, wollen wir daran festhalten. Funktioniert aber oft aus verschiedenen Gründen nicht. Und das Glücksgefühl, das wir gerade noch hatten, wird ganz schnell durch Traurigkeit, Sehnsucht oder Angst ersetzt. So geht es auch mir gerade.

6 Wochen habe ich mich wie in einem Traum gefühlt. Ich habe an einem der schönsten Orte, die ich je gesehen habe, gearbeitet, war von wundervollen Menschen umgeben und war so glücklich wie selten in meinem Leben. Irgendwann habe ich aufgehört, die Momente zu zählen, in denen ich vor Freude fast geplatzt wäre oder in denen mir Tränen des Glücks über die Wangen gelaufen sind.

Natürlich gab es auch Zeiten, in denen ich nicht glücklich war, sondern genervt, traurig oder enttäuscht und Tränen aus anderen Gründen geweint habe. Aber diese Momente wiegen so wenig, wenn ich auf meine Zeit im Paradies zurückblicke. Zurückblicke. Ja. Ich bin aufgewacht aus meinem Traum. Weitergereist. Nach einem Abschied, der mir unglaublich schwer gefallen ist.

111

Die positiven Gefühle, die ich in den vergangenen 6 Wochen fast täglich erleben durfte, scheinen gerade meilenweit entfernt. Wenn ich in den Spiegel gucke fällt mir selbst auf, dass das Strahlen verschwunden ist. Ich fühle mich energielos, traurig und irgendwie verloren. Ich halte mich also so gar nicht an den Spruch, der eigentlich während meiner Zeit in der Brisa Tranquila stark an Bedeutung gewonnen hat.

Dankbar sein für das, was ich erlebt habe. Dankbarkeit. Ein Wort, das sich in den vergangenen Wochen tief in meine Gedanken eingebrannt hat. Ich habe viele Bücher gelesen, unter anderem The Secret und The Life´s missing Manual, in denen Dankbarkeit als einer der wichtigsten Schlüssel zum Glück und einem erfüllten Leben beschrieben wird. Wenn wir dankbar für Dinge sind, die wir bereits haben, ziehen wir automatisch mehr Dinge in unser Leben, für die wir dankbar sein können.

Ich gebe zu: Das klingt nach einer sehr einfachen, an den Haaren herbei gezogenen Formel, mit der ich anfangs auch nicht so richtig was anfangen konnte. Ich bin generell ein sehr kritischer Leser und Empfänger von Lebenshilfe-Tipps, aber da mir diese Bücher von vielen verschiedenen Seiten empfohlen wurden, habe ich mich entschlossen, mich darauf einzulassen. Zu verlieren habe ich ja schließlich nichts, wenn ich mal ausprobiere, mich an die Ratschläge zu halten.

Unter anderem eben daran, täglich Dankbarkeit zu spüren bzw. tatsächlich zu praktizieren. Direkt nach dem Aufwachen, in Momenten, wenn ich auf etwas warten muss (und mich normalerweise aufrege, weil meine ach so kostbare Zeit verschwendet wird) oder einfach ganz bewusst dann, wenn ich mich gerade nicht so gut fühle. Und ich konnte selbst nicht glauben, welche Auswirkungen das hatte.

In den Momenten, in denen ich bewusst dankbar für Dinge war, habe ich entweder laut (wenn ich alleine am Strand spazieren war) oder in Gedanken immer wieder den Satz „Danke, dass ich ….“ wiederholt – jedes Mal mit einer anderen Ergänzung natürlich.

Danke, dass ich hier sein darf.

Danke, dass ich diesen wundervollen Menschen kennengelernt habe.

Danke, dass ich gesund bin.

Danke, dass ich frei bin und Entscheidungen treffen kann, die mich glücklich machen.

Danke, dass mir die Sonne gerade ins Gesicht scheint.

3333

Egal, ob kleine oder große Dinge: Das Gefühl von Dankbarkeit hat sich innerhalb weniger Sekunden in mir ausgebreitet, mir eine strahlende innere Wärme gegeben und ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert. Wenn ich mich eh schon gut gefühlt habe hat es mir noch einen extra Glücksschub verpasst und wenn ich schlecht drauf war hat es mich sofort auf eine positivere Gefühlsebene gehoben. Und Situationen, die kurz darauf passiert sind, habe ich anders wahrgenommen. Ich habe sie aus einem anderen Blickwinkel gesehen und direkt die Dankbarkeit, die ich aus welchem Grund auch immer in dem Moment empfunden habe, in Verbindung mit der Situation abgespeichert. Also eine Doppelladung dankbarer und positiver Erinnerungen 🙂

Ich versuche gerade verzweifelt, der Dankbarkeit für die vergangenen Wochen mehr Raum zu geben als der Traurigkeit, dass sie vorbei sind. Manchmal klappts. Meistens nicht. Der Abschied ist noch zu präsent – und ich weiß, dass ich dazu neige, viel zu schnell eine Bindung zu Menschen und Dingen und Situationen aufzubauen. Wenn die gekappt werden tuts halt erstmal weh. Und vermutlich ist es auch falsch, das leugnen und direkt glücklich und positiv weiter machen zu wollen.

Vielleicht ist es heilsamer, uns in Situationen, in denen wir gerade mit Abschiedsschmerz zu kämpfen haben, einen wunderschönen Spruch ins Gedächtnis zu rufen, der auch auf vielen Trauerkarten zu finden ist:

Alles hat seine Zeit. Es gibt eine Zeit der Freude, eine Zeit der Stille, eine Zeit des Schmerzes, der Trauer und eine Zeit der dankbaren Erinnerung.

Alles hat seine Zeit. Und es ist gut, die verschiedenen Phasen auch wirklich zu durchleben. Solange am Ende die Dankbarkeit einen Platz bekommt. Und nicht mehr von Traurigkeit überschattet wird.

Und auch wenn ich gerade traurig bin will ich versuchen, wieder häufiger dankbar zu sein. Und wenn es nur für die leckere Ingwerlimonade ist, die ich gerade trinke. Oder den Tip für das süße Cafe, in dem ich gerade diesen Text schreibe, den ich gestern von einer Kolumbianerin bekommen habe. Oder meine Fähigkeit, Zeit gut mit mir selbst verbringen zu können und unabhängig davon zu sein, was andere denken oder tun. So. Fühlt sich gleich etwas besser an 🙂

Wofür bist du gerade dankbar?

MerkenMerken

MerkenMerken

7 Kommentare zu „Sei dankbar, dass du es erleben durftest…“

  1. Hey,

    super spannender Blog und ein toller Post. Ich bin dankbar, für all die neuen Inspirationen und Chancen, die ich durch mein neues Blogprojekt bekommen kann, für meinen Freund , meine Familie und so viel mehr. Dankbarkeit ist wichtig, aber genauso wichtig finde ich es, Schmerz zuzulassen und zu schauen, warum es einem nicht gut geht. Aus dem Schmerz kann man sich dann weiterentwickeln und sein Traumleben weiter aufbauen.

    LG
    Alina von http://www.selfboost.de

    Gefällt mir

    1. Liebe Alina, Danke für deinen tollen Kommentar! 🙂 Schön, dass Dir auch über so viele Dinge bewusst bist, für die Du dankbar bist! Und ja, ich gebe Dir absolut recht: auch Schmerz und schlechte Zeiten brauchen ihren Raum, aber ich glaube Dankbarkeit ist ein sehr hilfreicher Schlüssel, um nicht zu tief oder zu lange darin zu versinken.
      Liebe Grüße, Lisa

      Gefällt mir

    1. Liebe Christina, Danke 🙂
      Berechtigte Frage 😉 Ich hätte eigentlich nur einen Monat bleiben sollen, hab dann aber schon zwei Wochen verlängert (und gleichzeitig meinen Rückflug nach Deutschland verschoben…) und da ich Mitte Mai wieder in Deutschland sein will/muss war es jetzt einfach Zeit zu gehen – schließlich will ich zumindest noch ein bisschen was anderes von Kolumbien sehen 😉
      Liebe Grüße, Lisa

      Gefällt 1 Person

      1. Ok, das leuchtet ein :-). Vielleicht ist das ja der Ort an dem du glücklich bist und Du kehrst wieder dort hin zurück :-). Man weiß nie! Alles Gute für Dich ❤

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s