Von Vorfreude, Wehmut, Abschied und guten Vorsätzen

Ziemlich viele Wörter in einer Überschrift. Aber ich konnte einfach nicht herausfinden, welches der Themen im Moment für mich am wichtigsten ist – denn ich bin voll von all dem. Und noch viel mehr. Am liebsten hätte ich noch Angst, Torschlusspanik, Erinnerungen und Aufregung mit reingepackt, aber das hat dann nicht mehr so ganz in die Zeile gepasst. Warum all das? Bald geht´s zurück nach Deutschland. Und natürlich lässt der Gedanke daran meine Gefühle ordentlich durcheinander wirbeln.

Heute in genau 2 Wochen ist es soweit. Nach einem Flug von Panama City über Puerto Rico werde ich früh morgens in Frankfurt landen. Mit wesentlich weniger Gepäck als ich damals mitgenommen habe, dafür mit einem Handy voller Fotos, meinem Kopf voller Erinnerungen, einer Playlist die mich noch in vielen Jahren zurück nach Kolumbien versetzen wird und einer Menge Dinge, die ich während der Reise gelernt habe.

Und wie die große Traveler-Mehrheit mit der Frage: Wie wird es sein, zurück zu kommen?

Ich habe es schon mehrmals erlebt – nach kurzen Urlauben, 5 Monaten Australien, 10 Monaten USA oder 6 Wochen Kuba und Guatemala. Ich weiß, dass es jedes Mal anders ist. Was aber gleich bleibt ist der verrückte Mix aus Emotionen. Der Freude, wieder zurück zu sein, der Sehnsucht nach der Freiheit und Unbeschwertheit als Backpacker, der Aufregung, was jetzt kommt und dem unüberhörbaren Wunsch, direkt wieder in den Flieger zu steigen.

Ob ich mich auf meine Rückkehr freue? Natürlich, sonst würde Vorfreude nicht in der Überschrift stehen. Ich freue mich auf meine Familie, auf meine Freunde, auf den Sommer in Hamburg, auf deutsches Brot, auf regelmäßig Sport, darauf, neue Routinen zu entwickeln und auf die DNX in Berlin Ende Mai. Und natürlich darauf, mich in mein eigenes Online Business zu stürzen.

Aber ich habe auch Angst. Angst davor, dass vieles von dem, was ich auf der Reise über und für mich gelernt habe, in Deutschland keinen Bestand haben kann. Dass ich mich doch wieder in die gesellschaftlichen Strukturen pressen lasse, von denen ich mich endlich frei gemacht habe. Dass mein Fernweh zu überwältigend ist, als dass ich wieder richtig ankommen kann. Und dass mein Strahlen zusammen mit der kolumbianischen Bräune nach und nach schwächer wird.

Und Wehmut. Na klar. Ich werde so vieles vermissen. Den zuverlässigen Sonnenschein. Ganze Tage hintereinander im Bikini. Die Wärme auf meiner Haut – jeden einzelnen Tag. Die konstant neuen Eindrücke, die mich inspirieren. All die Menschen, die ich kennen und lieben gelernt habe. Die Lebensfreude, die die Kolumbianer trotz ihres teils harten Lebens versprühen. Latinmusic aus allen Ecken und die Möglichkeit, immer und überall zu tanzen.

Aber auch all die Erfahrungen, die ich auf dieser Reise für mich ganz alleine gemacht habe. Wie unabhängig und selbstständig ich bin. Wie frei ich sein kann. Wie glücklich. Wie wenig ich mich davon beeinflussen lasse, was andere tun und denken. Meine morgendlichen „Spaziergänge“ ganz alleine im Strand, die jedes Mal in lautes Singen und ausgiebiges Tanzen ausgeartet sind und mich nicht selten Freudentränen haben weinen lassen.

Die meisten dieser Erfahrungen habe ich während meiner 6 Wochen in der Brisa Tranquila gemacht und möchte sie gegen absolut nichts eintauschen. Ich habe meine Entscheidung nicht eine Sekunde lang bereut, dass ich zurückgegangen bin und so viel Zeit dort verbracht habe. Nur ist das der Torschlusspanik leider ziemlich egal. Jetzt, so kurz vor meiner Rückreise, habe ich das Gefühl, ich hätte noch viel mehr sehen müssen. Schneller reisen. Mehr machen.

Aber ich weiß und wusste von Anfang an, dass diese nicht meine letzte lange Reise sein würde. Schließlich will ich mir auch und vor allem deswegen mein eigenes Online Business aufbauen. Um frei zu sein und immer wieder für eine Zeit an anderen Orten der Welt zu leben als Deutschland. Und ich weiß, dass ich diese Reise gebraucht habe, um aus einer schwierigen und grauen Phase rauszukommen. Um ein Stück mehr nach innen zu reisen, nicht an viele neue Orte und in andere Länder.

Und darum bin ich gerade fleißig dabei, mir eine Liste von guten Vorsätzen zu schreiben für die Zeit nach meiner Rückkehr nach Deutschland. Ich schreibe auf, was ich gelernt habe und was ich davon niemals niemals niemals wieder verlieren und vergessen will. Ich überlege mir genau, was ich in meinen Alltag integrieren möchte – ohne mir zu viele und zu hohe Ziele zu setzen. Daran scheitern gute Vorsätze ja meistens. Sobald sie ein bisschen vollständiger ist werde ich die Liste mit dir teilen – vielleicht ist ja die ein oder andere Inspiration für dich dabei.

Mein Vorsatz für meine letzten 2 Wochen in Kolumbien ist ganz klar: Genießen. Genießen, was ist. Mich nicht stressen lassen von diesem komischen Affen in meinem Kopf, der mich noch hierhin und dahin hetzen will, um doch noch mehr zu sehen als geplant. Zur Ruhe zu kommen. Und zu reflektieren. Damit sich all das, was ich mit nach Deutschland nehmen will, schon hier schön einnisten kann. Und die Angst jeden Tag der Vorfreude ein kleines bisschen mehr Platz freiräumt.

 

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3 Kommentare zu „Von Vorfreude, Wehmut, Abschied und guten Vorsätzen“

  1. So viele Gedanken und Gefühle, so viel Freude und doch auch so viele Sorgen. Erinnere Dich zurück… Vor vier Monaten am Flughafen in Hamburg, auch da waren deine Gefühle gemischt. Freude auf das große Abenteuer. Das Bangen, was dich auf deiner Reise erwarten wird. Ob du mutig genug sein wirst. Stark genug.

    Und nun liegt wieder eine Art Reise vor dir, zwar nach Deutschland, aber ebenfalls mit ungewissen Gedanken.
    Aber vielleicht ist das eine Art, die Rückkehr zu verstehen: als eine Reise in die Heimat.
    Als eine Reise, auf der dir alle Türen offen stehen und du deine Ziele und Visionen verfolgen kannst, ohne schon jetzt wissen zu müssen, wie der Weg sein wird.

    Gut, Deutschland wird nicht mit der kolumbianischen Sonne mithalten können. Soviel ist sicher.
    Und wahrscheinlich treiben dich einige finster blickende Verkäufer in den Geschäften ziemlich schnell in den Wahnsinn.
    Aber du kommst zurück zu ganz vielen Menschen, die sich auf dich freuen und dich lieben.
    Und die unheimlich stolz sind auf dich und mit welcher Unabhängigkeit, Stärke und mit was für einem Selbstbewusstsein du die vergangenen Monate nicht nur verbracht, sondern mit jeder Faser gelebt hast.

    Ich freue mich auf deine Liste! 💛

    PS: Lass den komischen Affen 🐒 in Kolumbien! Der hat nur Flausen im Kopf!

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    1. Liebe Anna, tausend Dank für diesen superschönen Kommentar der mir gerade die Tränen in die Augen getrieben hat 🙂 Es ist so schön zu wissen, dass ich mit offenen Armen empfangen und freudig erwartet werde 🙂 Und ja, Du hast total Recht, ich brauch mir keinen Druck damit machen, wo der Weg mich hinführt – solange ich ihn unterwegs genieße 🙂 und das tue ich gerade und freue mich sehr drauf, das bald wieder mit Euch gemeinsam zu tun!
      Drücke Dich doll und freue mich riesig auf Dich!
      PS: ich hoffe, der Affe bekommt bei der Inmigration Probleme so dass er gar nicht erst mitkommen kann 😉

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