Und? Wie geht’s jetzt weiter?

Gute Frage.

Aber leider und vor allem auch: Nervige Frage. Unsensible Frage.
Und vermutlich die mir momentan am häufigsten gestellte Frage.

Ich bin wieder da. Und hab bei vielen Begegnungen das Gefühl, nie weg gewesen zu sein. Aber nicht so wie bei guten Freundschaften, wenn „es so ist als hätten wir uns erst gestern gesehen“. Sondern eher im Sinne von „Aha, du hattest bestimmt ne tolle Zeit, super.“ Mehr brauch ich gar nicht wissen. Lass mal lieber über die Zukunft reden. Über deinen Plan. Den wirst du ja sicherlich haben, oder?

Nö. Beziehungsweise ja. Aber nicht nur einen. Ich hab mehrere. Mehrere Ideen, wie ich mir die kommenden Monate für mich vorstellen kann. Aber jetzt lasst mich doch bitte erstmal wieder ankommen. Und ja, das mag ein Luxusproblem sein, aber ich brauche verdammt noch mal Zeit dafür.

Ich muss mich erstmal wieder einleben. An das Wetter gewöhnen, das viele Deutsch um mich rum, die Kleinstadt, die Autos, den Lebensrhythmus, die Gesprächsthemen. An alles, was zu meiner alten Heimat dazu gehört. Und das ist gar nicht unnormal.

Mit der lieben Christina von glueckaufwanderlust habe ich vor ein paar Tagen erst über den sogenannten Reverse Culture Shock gesprochen – den Kulturschock wenn man zurück nach Hause kommt. Und sich nach einer kurzen anfänglichen Euphorie wegen des Lieblingsessens, der wiederentdeckten Klamotten und des Wiedersehens mit Freunden und Familie alles andere als zuhause fühlt. Eher fremd in der eigenen Kultur. Fremd im eigenen Land. Und irgendwie so völlig fehl am Platz.

Sich daran zu gewöhnen, damit umzugehen, das zu akzeptieren braucht Zeit. Zeit, in der der Blick noch viel häufiger auf die Reisefotos als in die aktuelle Umgebung schweift. Zeit, in der wir in gerade Erlebtem schwelgen und uns zurück wünschen. Zeit, in der Tränen fließen. Und Zeit, in der wir versuchen, all die wertvollen Erinnerungen und Erkenntnisse in den gerade neu begonnenen Lebensabschnitt „wieder zu Hause“ zu integrieren.

Unser Umfeld versteht das häufig nicht. Für viele waren wir weg, ja ja, haben uns mal eine Auszeit genommen, schön schön, aber jetzt wartet ja auch das „richtige Leben“ mit scharrenden Hufen darauf, endlich wieder von uns gelebt zu werden. War jetzt auch lang genug. Sie verstehen oder wissen einfach nicht, dass es fast physisch weh tut, wenn sie sich auf die Frage „Wie wars?“ mit einem „Schön“ zufrieden geben. Und der Versuch, all die gerade erlebten Wochen oder Monate zumindest kurz zu beschreiben, mit einem erwartungsvollen „Und jetzt?“ erstickt wird.

Ich habe das wunderbare Glück, dass der Großteil meines Umfelds sensibler reagiert. Mich erzählen lässt, nach Fotos und Details fragt. Sich mit mir freut. Genau wie ich das umgekehrt natürlich auch tue, denn im Leben jeder einzelnen anderen Person ist in den vergangenen 5 Monaten ja auch viel passiert. Für diese Menschen bin ich unglaublich dankbar, denn all die anderen (in meinem Fall zum Glück relativ wenigen) Begegnungen fühlen sich einfach scheiße an.

Meine liebe Freundin Anna hat mich bei unserem Wiedersehen bei herrlichem Wetter und mit Aperol Spritz in der Hand mit ihrer Aussage total gerührt. Nachdem ich schon gefühlte Ewigkeiten von meiner Reise erzählt habe meinte sie: „Weißt du, Lisa, ich will und werde dich jetzt gar nicht fragen, was der Plan ist. Ich genieße es einfach gerade so sehr, von deinen Erlebnissen zu hören und dich so glücklich zu sehen. Und ich freue mich so mit. Da ist es mir ehrlich gesagt gerade erstmal ziemlich egal, wie es weitergeht.“ Das ist wohl mit das Schönste, was man kurz nach einer Rückkehr zu jemandem sagen kann, denn es beinhaltet so viel.

Und ja, natürlich ist es wichtig und interessant zu hören, wie es denn jetzt weiter gehen soll, aber die Frage hat einfach einen faden Beigeschmack, wenn vorher so ungefähr Null Komma Null Interesse an dem gerade erst Erlebten gezeigt wurde. Vielleicht aber auch vor allem für mich, da es das widerspiegelt, wovon ich mich ganz bewusst frei gemacht habe: für die Zukunft zu leben, das Glück vorausplanen zu wollen und vermeintliche Sicherheit kreieren. Mehr wollen. Planen wollen. Und Reisen und Unterwegs sein als kurze Auszeiten, aber nicht einen eigenen Lebensstil anzusehen.

Aber natürlich werde auch ich gefragt. Und meine Antwort darauf zwingt vermutlich einige, ein Augenrollen zu unterdrücken oder den Gedanken „Wann wird die endlich mal erwachsen?“. Aber das ist mir egal, denn ich weiß, dass ich das längst bin – vielleicht mit einer anderen Interpretation als die meisten im Kopf haben, aber ich übernehme 100 prozentige Verantwortung für das was ich tue und nicht tue und ich finde das ist ganz schön erwachsen 😉

Meine Antwort ist, dass ich es noch nicht weiß. Dass ich erstmal richtig ankommen will, um dann eine Entscheidung zu treffen, die jetzt nicht rein auf dem Gedanken „Where´s that fucking plane to take me back???“ basiert. Ich habe meine Rückkehr extra so geplant, dass nach ein paar Tagen zu Hause bei meinen Eltern direkt die DNX in Berlin ansteht. Denn ich glaube, die Zeit dort, all die Menschen die ich kennen lerne und all der Input, den ich bekomme werden extrem viel mit mir machen.

Im Idealfall werde ich mit einem krassen Motivations-Inspirations-Kreativitäts-Schub von dort nach Hamburg zurück kehren, mich direkt in mein Business stürzen und Ende des Jahres die 4 Stunden Woche leben (also Ende 2019 natürlich, ist ja schließlich kein Sprint sondern ein Marathon das Ganze ;)). Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht will ich doch noch meine Reise- und Blogpläne, die beständig in meinem Kopf Wurzeln schlagen und wachsen, realisieren. Who knows.

Ich gerade noch nicht. Aber das ist auch völlig okay. Auch für viele meiner Freunde und vor allem meine Eltern, die hinter allem stehen, was ich tue, plane und nicht plane. Selbst wenn es für sie oft nicht leicht ist. Und dafür bin ich unglaublich dankbar. Es bestärkt mich in dem was ich mache und auf dem Weg den ich gehe – auch wenn ich noch nicht weiß, wohin er mal führen wird. Ich genieße ihn – und das ist mir viel wichtiger.

 

6 Kommentare zu „Und? Wie geht’s jetzt weiter?“

  1. Wie du kenne ich es auch eher so, dass alle sich erzählen lassen wollten, wie es war. Wobei es vor 15 Jahren auch noch weniger typisch war, für fünf Monate aus dem Leben auszubrechen. Fragen nach der Zukunft habe ich mir allerdings selbst mehr gestellt, als andere. Ich war eingeschrieben und wusste, dass ich an die Uni zurückgehen würde, aber was ich dann mit dem Abschluss machen würde, wusste ich auch lange Zeit nach der Reise nicht. Das hat noch zehn Jahre gedauert. Jetzt bin ich angekommen, aber dass ich mich immer erwachsen fühlen würde oder nie mal ausbrechen will, ist gewiss nicht so. Und das ist gut 🙂
    Darum: Genieße diese Zeit, in der all deine Wege offen liegen. Und sei nur du diejenige, die sie entscheidet.

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    1. Danke Dir! Und ja, natürlich stelle ich mir auch selbst Fragen nach der Zukunft, aber glücklicherweise bin ich – zumindest meistens – ganz entspannt was die Antworten angeht 😉 Und also… ständig erwachsen sein ist auch einfach unnötig 😉 Dir auch alles Liebe und viel Freude bei allem!

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