Fluch und Segen der grenzenlosen Freiheit – und was die DNX damit zu tun hat

Wow. Seit 6 Tagen bin ich zurück in Hamburg, meiner Wahlheimat. In meiner alten Wohnung, in meiner alten Umgebung. Aber so überhaupt nicht in meinem alten Leben. Mein altes Leben mit meinem Vertriebsjob, meinen festen Tagesstrukturen, meinen fest eingeplanten Sportkursen, meinen Essgewohnheiten und meinen vielen Partynächten fühlt sich ganz weit weg an. Vor mir liegt quasi eine riiiiesige grüne Wiese, die ich jetzt komplett neu bepflanzen kann. Aber in welcher Ecke und mit welchen Blumen will ich anfangen?Ich bin frei. Komplett frei. Jeden Tag stehen mir 24 Stunden zu meiner absolut freien Verfügung. Ich habe keine Verpflichtungen, außer ich mache sie mir. Ich habe keine Termine, außer ich verabrede sie selbst. Ich habe keine Strukturen, außer ich lege sie selbst fest. Ich kann aufstehen wann ich will, schlafen gehen wann ich will und den ganzen Tag mit Dingen verbringen, auf die ich Lust habe.

Klingt traumhaft? Ja, finde ich auch. Und ist es auch. Wäre es auch. Wenn mein Kopf nicht so voll, überfüllt und überfordert wäre. Manchmal zu voll, um meine neue Freiheit zu genießen.

Wobei sie so neu ja gar nicht ist. Während meiner mehrmonatigen Reise war ich auch frei. Komplett. Ich konnte an einem Ort bleiben so lange ich wollte oder weiterreisen, wann immer mir danach war. Aber da hat es sich anders angefühlt. Normaler. Weil es da den meisten so ging. Weg von Zeitdruck, gesellschaftlichem Druck.

Zurück in Hamburg fühlt es sich ganz anders an. Vielleicht, weil sonst kaum jemand an einem Donnerstag Vormittag an der Alster in der Sonne liegen kann. Außer die Studenten und diejenigen, die sich Urlaub genommen haben. Und mir das neben dem Genuss auch ein schlechtes Gewissen bereitet. Vielleicht aber auch, weil ich dieses Gefühl der absoluten Freiheit nicht mit Hamburg verbinde – aus meinem „alten Leben“ kenne ich das schließlich kaum.

Vielleicht aber auch, weil ich soooooo viele Dinge im Kopf habe, mit der ich diese Freiheit füllen möchte. Ausfüllen möchte. Aber nicht weiß, wo ich anfangen soll. Mein Herz, mein Kopf und meine To Do Liste sind einfach gerade so übervoll, dass ich in den vergangenen Tagen oft das Gefühl hatte, in eine Art Schockstarre zu verfallen. Wenn ich schon nicht weiß, womit ich anfangen soll, dann lieber gar nicht anfangen.

So viele Dinge wirken, werkeln und wachsen gerade in mir. Meine wunderbare Zeit in Südamerika wirkt noch nach und will beachtet und verarbeitet werden, während ich vergangene Woche Tage erlebt habe, die mir auf absolut intensive Art und Weise einen Anschubs in mein neues Leben gegeben und vieles verändert haben.

900 verrückte Menschen, die ihr Leben in die eigene Hand nehmen, gleichzeitig reisen und arbeiten und einfach nur glücklich sein wollen, sind letzte Woche in Berlin auf der Digitalen Nomaden Konferenz DNX zusammengekommen, um sich zu connecten und inspirieren zu lassen. Und ich kann nur sagen: diese Tage waren absolut INSANE. Auf die allerpositivste Art die man sich vorstellen kann.

Während der Pre-Events und dem Haupttag am Samstag ging es natürlich darum, wie und mit was man sich selbstständig machen kann, um als digitaler Nomade von überall und jederzeit ortsunabhängig arbeiten zu können. Natürlich ging es ums Reisen, um die Hot Spots der digitalen Nomaden. Und natürlich ging es um Strategien und Möglichkeiten, langsam oder abrupt aus seinem alten Leben aka 9 to 5 auszusteigen.

Aber es ging noch um so viel mehr.

All die Menschen, jeder einzelne von ihnen, ist nach Berlin gekommen, weil er oder sie an irgendeinem Punkt des Lebens entschieden hat, dass es so nicht mehr weitergeht. Dass er sein Leben selbst in die Hand nehmen will, selbst entscheiden und für sein Glück selbst verantwortlich sein will. Dieser Punkt war nicht nur irgendein Punkt, sondern meist ein Tiefpunkt. In vielen Fällen ein krass tiefer Tiefpunkt.

Und keiner versteckt das.

Und alle haben Bock, was zu verändern und ihr Leben wieder in ein geiles Hoch zu katapultieren.

Und alle haben verstanden, dass das nicht nur über einen neuen Job oder die nächste Reise oder beides zusammen geht. Sondern über Ganzheitlichkeit.

Und genau deshalb ging es eben auf der DNX auch nicht nur um Business-Strategien und das nächste Reiseziel. Es ging um gesunde Ernährung und Traditionell Chinesische Medizin. Es ging um Ängste, Zweifel und die verflixte Komfortzone, die sich ganz schnell immer wieder neu aufbaut. Es ging um Depressionen und Burn Out. Um Persönlichkeitsentwicklung. Es ging um Mut. Und Träume. Und Visionen.

Es ging um die Energie, die wir alle im Leben brauchen und wie wir sie erzeugen und aufrecht erhalten können. Es ging um Sport und eine gesunde Lebensweise. Wir haben zusammen Yoga gemacht und gemeinsam meditiert. Wir haben uns in Mastermind Gruppen zusammengetan und uns intensiv mit den Problemen, Ängsten und Zweifeln jedes einzeln auseinandergesetzt. Wir sind zusammen ausgeflippt, durch die Gegend getanzt und gesprungen und haben das Leben gefeiert.

Wir haben fleißig mitgeschrieben, Pläne geschmiedet und Strategien erarbeitet. Uns Ziele gesetzt. Wir haben uns kennen gelernt, miteinander verbunden und sind über unsere Schatten gesprungen. Und uns gegenseitig in dem Gefühl bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein. Und dass wir ihn, ob nun digital oder analog, irgendwie auch zusammen gehen werden.

Und nun sitze ich hier. In meinem kleinen Appartement unweit von der Alster und lasse all das, was in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten in und mit mir passiert ist, auf mich wirken. Versuche es sacken zu lassen, ohne dabei selbst zu versacken. Versuche innerlich ruhiger zu werden, ohne meine Energie zu verlieren und mich zu strukturieren, ohne dabei wieder zu verkopft zu werden.

Ich habe so viele Ideen, die ich kurz- und mittelfristig umsetzen will und ich sitze immer noch daran, sie zu priorisieren. Zumindest aber meine Morgenroutine habe ich jetzt fest etabliert und starte jeden Tag mit Meditation, Tanzen, frischem Ingwertee und Journaling. Alleine, dass ich mir dafür fast eine Stunde Zeit nehmen kann, ist so ein großes Geschenk dieser neuen Freiheit. Und dass ich in Ruhe Blogs lesen kann und Podcasts hören und mit alten und neuen Freunden sprechen und bewusst kochen und spazieren gehen kann.

Von dieser Freiheit träumen vermutlich viele, so wie ich das auch lange getan habe. Und jetzt ist sie da. Und ja, ich bin dankbar dafür. Nur aktuell fühlt sie sich noch etwas zu groß, zu mächtig, zu energieraubend an – so paradox das auch klingt. Aber vielleicht liegt es jetzt an mir, mich auch innerlich frei zu machen. Von Bildern im Kopf und perfektionistischen Ansprüchen und der Angst, diese Freiheit falsch zu nutzen.

Kennst du dieses Gefühl auch, wenn du plötzlich alle Zeit der Welt hast, wenn auch nur für eine begrenzte Zeit, und dann auf einmal nichts mit dir anzufangen weißt?

Was tust du in solchen Situationen?

3 Kommentare zu „Fluch und Segen der grenzenlosen Freiheit – und was die DNX damit zu tun hat“

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