Wie ich vom Bett aus meine Komfortzone verlassen habe

Komfortzone, Frau mit Kuschelsocken und Decke im Bett

Die Komfortzone ist gemütlich. Da fühlen wir uns sicher, geborgen. So, als könnte uns nichts passieren. Alles ist, wie wir es kennen und wir fühlen uns so wohl, dass wir am liebsten gar nicht mehr weg würden. Ich finde, das klingt ein bisschen nach Couch. Mit Wolldecke, Wärmflasche und warmem Tee (oder wahlweise einem Glas Wein, je nach Stimmung und Wetter). In meinem Kopf war das bildlich irgendwie so abgespeichert. Komfortzone = Couch. Aber ich habe den ultimativen Test gemacht, ob man die Komfortzone auch von der Couch aus verlassen kann.

Und das, obwohl ich noch nicht mal eine Couch habe. Die passt in mein kleines Apartment gar nicht rein – und in meinen minimalistischen Lebensstil auch nicht. Dafür hab ich ein Bett (ja, passt so gerade), auf dem ich mich auch gerne mal verkrieche und es mir – eben – gemütlich mache.

Vergangene Woche war mal wieder so ein Moment. Ich saß mit Wärmflasche und Tee (thanks, Hamburger Sommer) auf meinem Bett, all die wenigen Kissen, die ich besitze, in den Rücken gestopft, habe gelesen und hatte es so richtig dolle gemütlich.

Komfortzonenfeeling par excellence.

Seit ein paar Tagen hatte ich mir „digital detox“ verordnet, mal das Handy öfter weglegen und – ganz wichtig – bloß keine Online-Aktivitäten! Gucken ja, Machen nein. Ich hab mich vorher ständig unter Druck gesetzt und mir ein unglaublich schlechtes Gewissen eingeredet, weil ich nichts gepostet habe. Ich hatte laut eifriger Google-Selbstdiagnose eine waschechte Schreib- und Kreativitätsblockade.

Ja und ich komm aber auch einfach nicht dazu. So viel um die Ohren gerade. Darum, hey, digital detox ist doch ne super Sache. Tut mir gut, hab ich mir eingeredet. Ist auch mal wichtig. Zu mir kommen und so.

Und als ich dann auf meinem heimeligen Komfortzonen-Bett saß und meine Finger zum gefühlt vierundzwanzigsten Mal Richtung Handy ausstreckte, kam mir plötzlich ein Gedanke. Warum mache ich das hier gerade wirklich? Was ist das denn bitte für eine seltsame Art von digital detox? Ständig checken, was die anderen so machen, aber mir selbst strenge Passivität verordnen?

Da war sie losgetreten, die Selbsterkennungslawine. Mit noch ausgestreckten Fingern schossen mir tausend Erkenntnisse und gleichzeitig Ausreden durch den Kopf.

„Erkenntnis: Aus irgendeinem Grund will ich nicht posten!

Ausrede: Ach Quatsch, du tust nur, was dir gerade gut tut.

Erkenntnis: Nein, irgendwas größeres steckt dahinter.

Ausrede: Bullshit, digital detox ist wichtig, da reden doch gerade alle von.

Erkenntnis: Ja aber das hier ist kein fucking digital detox, das ist ein Ausweichmanöver.

Ausrede: Ach komm, denk dir doch nicht immer alles komplizierter als es ist.

Erkenntnis: Es ist überhaupt nicht kompliziert. Es ist total einfach: ICH HAB ANGST. Das ist es! Ich hab Angst zu posten.

Ausrede: Was soll denn der Mist jetzt schon wieder? Angst vorm Posten, pfft…. Machs dir lieber mal wieder gemütlich und…“

Mhh. Kennst du vielleicht, solche Dialoge? Ich finds immer ein bisschen spooky, wenn die stattfinden, aber auch höchst interessant. Vor allem, wenn ich mich dann auf die Seite der Erkenntnis schlagen kann und dadurch Dinge in Bewegung bringe.

So wie in jenem Moment. Plötzlich konnte ich die Ausrede gar nicht mehr hören, so laut war die Stimme der Erkenntnis geworden. Ich. Habe. Angst. Ich habe Angst. Ja, damn it, genau das ist es!! Von wegen digital detox…. Da hat mein Unterbewusstsein ja mal wieder ganze Arbeit geleistet.

Denn: unser Unterbewusstsein möchte uns ständig behütet in unserer Komfortzone wissen. Ihm ist es egal, ob wir glücklich und zufrieden oder unglücklich sind. Das einzige, was für unser Unterbewusstsein zählt, ist, dass wir überleben.

Und die Chance zu Überleben ist vor allem dann besonders groß, wenn wir keine Risiken eingehen. Leider scheint unser Unterbewusstsein vor mehreren Jahrhunderten stehen geblieben zu sein, denn es unterscheidet irgendwie noch immer nicht zwischen dem wagemutigen Schritt aus der Höhle heraus, vor der die Löwen lauern, und dem Veröffentlichen einer Instastory.

Denn beides löst Ängste aus. Zumindest war es bei mir in dem Moment so. Ich hätte meinen Kopf vielleicht sogar lieber ein paar Zentimeter aus der Höhle rausgestreckt als mal wieder etwas zu posten. Es war so verrückt: etwas, was ich noch ein, zwei Wochen vorher täglich voller Freude und Enthusiasmus gemacht habe, löste plötzlich wieder Ängste in mir aus.

Was, wenn die Leute doof finden, was ich sage? Was, wenn es sowieso keinen interessiert? Wer glaube ich eigentlich zu sein, dass ich mir einbilde, Leute wollen was von mir lesen, hören oder sehen? Ein freudiger Glaubenssatz-Battle fand – zunächst noch unbemerkt – in meinem Kopf statt.

Aber dann hab ich Stopp gerufen. Was soll denn dieser Quatsch? Und ist nicht mein Slogan „Von der Komfortzone in die Explorezone“? Und dieser Name… riskhappiness… hat der nicht auch irgendwie was damit zu tun, Dinge zu riskieren, sich seinen Ängsten zu stellen und sich mutig auf den Weg zu seinem Glück zu machen? Jepp. Genau. Also?!

Also los. Von meinem Bett aus habe ich meine Komfortzone, die innerhalb weniger Tage scheinbar zurück auf ein altes Maß geschrumpft war, verlassen. Meine Finger habe ich tatsächlich zum Handy greifen lassen – und mich diesmal mit einem entschlossenen Wisch direkt in die Instastorys manövriert.

Nicht großartig drüber nachdenken. Einfach machen.

Im ersten Moment hat sich plötzlich gar nichts mehr gemütlich angefühlt. Die Kissen im Rücken waren viel zu knubbelig, die Wärmflasche viel zu warm und die Luft auf einmal auch ganz schlecht. Ich war nervös, mein Magen zog sich zusammen. Ich weiß doch gar nicht, was ich sagen soll.

Und in dem Moment habe ich auf den Aufnahme-Button gedrückt. Vielleicht hast du die Story letzte Woche sogar gesehen. Spot on. Ich hab einfach geredet. Von dieser surrealen Erkenntnis, dass mich mein Unterbewusstsein aus heimtückischen Gründen ins vermeintliche digital detox verfrachtet hatte und ich aber scheinbar einfach nur Schiss habe, mal wieder Dinge mit der Welt zu teilen.

Nach vier oder fünf 10-Sekündern war die Story draußen und meine Message in die Welt gebracht. Nach außen hin unglaublich unspektakulär. Für mich unglaublich wichtig. Denn ich habe mich mal wieder meinen Ängsten gestellt. Irreale Ängste waren das vielleicht, aber sind sie das nicht ganz oft?

Und das möchte ich dir auch so gerne mit auf den Weg geben: schäm dich nicht für deine Ängste. Egal wie seltsam sie dir vorkommen, egal wie klein oder groß sie sich anfühlen: es sind DEINE Ängste, du kannst sie fühlen und das ist absolut okay so.

Versuch nicht, deine Ängste zu ignorieren. Nimm sie wahr, gib ihnen ein High Five und sag „Oh hey, da seid ihr ja mal wieder.“ Bedank dich bei ihnen, dass sie dich beschützen wollen. Und dann sag ihnen, dass du ab hier jetzt ein Stück ohne sie gehen wirst. Und dass sie dir vertrauen können. Du weißt, was du tust.

So häufig halten unsere Ängste uns davon ab, unsere eigentliche Wahrheit zu leben. So zu sein, wie wir sein wollen – und tief in uns drin schon sind. Ich möchte meine Erfahrungen und Erkenntnisse mit euch teilen, ich möchte Texte, Videos und Fotos veröffentlichen und ich weiß, dass das genau das ist, was ich tun soll.

Das muss ich nur hin und wieder meinen Ängsten erklären. So schlau sie auch manchmal sind: verstehen tun sie es ganz lange nicht. Du musst also immer und immer wieder erklären, dich immer und immer wieder den gleichen Ängsten stellen, bis sie nach und nach, jedes Mal ein kleines bisschen mehr, verstehen, dass sie dir vertrauen können. Und sich zurück ziehen.

Diese Ängste waren übrigens auch der schwerwiegende Grund für meine Blog-Abwesenheit, für den ich hier schon einen extra Artikel angekündigt hatte. Nach der ersten Instastory, mit der ich mich noch auf dem Bett aka Sofa aus meiner Komfortzone getraut habe, ist übrigens etwas Spannendes passiert: obwohl ich gerade nur ein paar Sekunden in mein Handy gebrabbelt hatte, war ich auf einmal voller Energie.

Meine Komfortzone wurde mir viel zu gemütlich. Zu eng, zu vertraut. Ich musste mich bewegen, habe so viel Kraft und Mut in mir gespürt, bin aufgesprungen und durch meine Wohnung getanzt. Und damit dann nicht mehr nur bildlich gesehen aus meiner Komfortzone abgehauen. Dahin, wo das Leben ist.

Und auch, wenn es nach außen hin ein verschwindend kleiner Schritt war: für mich war er wieder mit dem riesigen, großartigen Gefühl verbunden, das entsteht, wenn wir uns trauen, uns unseren Ängsten zu stellen. Das Gefühl der riskhappiness, dieser wunderbaren Euphorie, wenn wir mutig genug waren, etwas zu tun, was uns Angst gemacht hat. Und wenn es nur war, den Aufnahmebutton auf dem Handy zu drücken. Mit Ängsten, Kissen und ner großen Vertrauen Mut im Rücken.

 

11 Kommentare zu „Wie ich vom Bett aus meine Komfortzone verlassen habe“

  1. Hey (:
    Tolle Sache! Das Leben beginnt eben wirklich außerhalb der Komfortzone! 😉
    Habe vor kurzem erst darüber geblogt. Ich bin leider in letzter Zeit ziemlich gemütlich in meiner Komfortzone versunken und versuche das nun wieder in den Griff zu bekommen.
    Ich freue mich auf jeden Fall, dass du wieder blogst und wünsche dir einen schönen Start in die Woche.

    Liebste Grüße
    Lu

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    1. Hey Lu, danke für deinen Kommentar! Vielleicht ermutigt dich der Post ja, auch deine Komfortzone mal wieder ein Stückchen zu verlassen 🙂 Welchen Ängsten müsstest du dich denn stellen? Ganz liebe Grüße und risk your own happiness 🙂

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      1. Ich müsste wohl mal für eine Weile allein sein.. aber nicht nur das es mir ein wenig Angst macht, es würde auch meine Beziehung belasten und dazu bin ich nicht bereicht, auch wenn ich glaube, dass es mir helfen könnte.
        Ich denke da kommt auch noch einiges dazu, wessen ich mir noch nicht wirklich bewusst bin.

        Liebste Grüße

        Gefällt 1 Person

      2. Liebe Lu, ich wünsche dir, dass du es in naher Zukunft schaffst, dir zumindest eine kleine Auszeit für dich allein zu nehmen – und wenn es nur ein paar Tage sind. Denn hinter dem Satz „auch wenn ich glaube, dass es mir helfen könnte“ steckt meist eine ganze Menge Wahrheit. Vielleicht kannst du dir bis dahin zumindest im Alltag immer wieder Zeiten für dich nehmen? Vielleicht Dinge einmal aufschreiben, um sie erstmal klar wahrnehmen und dann ein bisschen sortieren zu können!?
        Versuch Vertrauen zu haben – irgendwann wirst du dir all dem, was da noch kommen soll, bewusst. Wenn die Zeit dafür reif ist.
        Alles Liebe für dich

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    1. Liebe Ziska, na über die Entdeckung und eine neue Risikofreudige an Bord freue ich mich natürlich sehr 🙂 Angst ist absolut okay und häufig auch wichtig – die Frage ist dann immer nur, wie viel Macht wir ihr geben… Risk your own happiness – und ich freu mich, dass du da bist! (Im Moment kannst du mich regelmäßiger bei Instagram verfolgen als hier ;))

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  2. Ich bin gerade über deinen Gastbeitrag bei Planet Backpack auf deinen Blog und diesen sehr schönen Beitrag gekommen und freue mich, noch viel mehr von dir zu lesen. Gerade befinde ich mich wortwörtlich in der klassischen Komfortzone, auf dem Sofa an diesen total verregneten Samstag. Es fühlt sich aber in dem Moment richtig an und außerdem habe ich auch eine richtig gute „Ausrede“ für diesen faulen Samstag: morgen beim Kölner Halbmarathon werde ich meine Komfortzone sportlich gesehen definitiv verlassen 😊💪
    Na jedenfalls, danke für diesen Beitrag, du hast mich gleich von Anfang an erreicht, besonders auch mit deinem Gastbeitrag zu einem Thema, dass für mich sehr wichtig und präsent ist.
    LG
    Ina

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    1. Liebe Ina,
      vielen Dank für deinen super lieben Kommentar! Und hey, ich glaube es ist absolut richtig, dass du dich heute noch mal so richtig ordentlich in deiner Komfortzone einkuschelst, um dann morgen auf deinem absoluten Energie-Hoch zu sein! Wünsche dir jetzt schon mal ganz viel Freude, Power und Erfolg morgen!
      Auf dem Blog hier ist es in den vergangenen Wochen ja leider ein wenig ruhig geworden, aber das liegt daran, dass ich ein neues Projekt in Arbeit habe, was gerade meine Zeit in Anspruch nimmt. Aber ich verrate schon mal so viel: Es wird einiges von mir zu hören geben 🙂 Und in der Zwischenzeit gibts alle News und Updates regelmäßig bei Instagram.
      Liebe Grüße,
      Lisa

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